Stich ins Herz - DER SPIEGEL
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Briefe

Stich ins Herz
• aus DER SPIEGEL 1/2003
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Stich ins Herz

Nr. 51/2002, Großbritannien: Ressentiments gegen die Sauerkrautfresser

Ich bin Anglistikstudentin, und die Insel ist schon seit zehn Jahren mein Hauptreiseziel. Vor zwei Jahren verbrachte ich zwei Semester an einer nordenglischen Universität und fühlte mich dort zu Hause. Ich war, zum Glück, nie Ziel solcher Angriffe, wie Sie sie in Ihrem Artikel geschildert haben. Ich habe immer wieder die herzliche angelsächsische Freundschaft erlebt, gemischt mit einer gesunden Portion Neugier. Doch zu lesen, dass nicht alle Deutschen in Großbritannien solches Glück hatten und haben, hat mich tief erschüttert. Es war wie ein Stich ins Herz.

BERLIN ISABEL A. KREIENBRINK

Die Botschaft bedauert solche Vorfälle zutiefst und nimmt sie, im Gegensatz zu dem vermittelten Eindruck, sehr ernst. Es gehört zu den wichtigsten Aufgaben unserer Arbeit - sowie der unserer Kollegen in der deutschen Botschaft in London - nach Wegen zu suchen, wie man diese stereotypen, negativen Vorstellungen abbauen kann, die Anlass zu solchen Zwischenfällen geben und die den ansonsten ausgezeichneten Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern schaden.

BERLIN ALP MEHMET 1. BOTSCHAFTSSEKRETÄR DER BRITISCHEN BOTSCHAFT

Die Gastmutter unserer beiden Schüler, die am letzten Abend ihrer Klassenfahrt in London (am 10. Oktober) von englischen Jugendlichen angegriffen wurden, war über den Vorfall entsetzt und tief beschämt. Sie entschuldigte sich vor unserer Abfahrt ausdrücklich für diese Jugendlichen. Auch vom britischen Botschafter in Berlin traf inzwischen (am 13. Dezember) ein Schreiben ein. Das Verhalten jener Jugendlichen sei »unentschuldbar und falsch«. Er stellte von der britischen Botschaft initiierte Schulprogramme vor, die dem »Abbau von Barrieren und dem Aufbau von Vertrauen besonders zwischen jungen Deutschen und Briten« dienen sollten. Außerdem lud er uns zu einem Besuch in die Botschaft ein, was wir für unsere nächsten 10. Klassen, die nun nach Berlin statt nach London fahren werden, gern annehmen.

HARSEWINKEL (NRDRH.-WESTF.) GUNHILD RÜBESAMEN STÄDTISCHE REALSCHULE

Wir sollten einen kühlen Kopf behalten und die Sache nicht hochschaukeln. Die Engländer sind nun mal ein Inselvolk (das hat ein guter englischer Freund von mir gesagt) und manchmal unglaublich weltfremd. Aber die meisten von ihnen sind anständig und haben mit dem Pöbel nichts gemein. Über die antideutschen Zwischenfälle sind sie sicher ebenso empört wie wir über Vorfälle wie in Hoyerswerda.

RECKLINGHAUSEN (NRDRH.-WESTF.) KLAUS KUBIAK

Als eine in Wales lebende und mit einem Engländer verheiratete Deutsche kann ich Ihren Artikel in keiner Weise bestätigen. Meine englischen, walisischen, schottischen und irischen Freunde und Arbeitskollegen sind viel zu sehr damit beschäftigt, sich gegenseitig zu foppen, um den »Krauts« negative Aufmerksamkeit zu schenken. Der von Ihnen erwähnte Sketch mit John Cleese nimmt nicht die Deutschen auf die Schippe, sondern vielmehr die britische Verklemmtheit, sich uns gegenüber »politically correct« zu verhalten ("whatever you do, don't mention the war"). Das ist eben eine Sache, die wir Deutschen von den Briten lernen können - die Gabe, über sich selbst herzlich lachen zu können. Die von Ihnen erwähnten Fälle sind schockierend, doch sind sie Einzelfälle.

CARDIFF (GROßBRITANNIEN) DR. HILKE DONOHUE

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