STIERKAMPF
(Nr. 13/53, Ausland)
Der Stierkampf-Artikel ("Spanien - Der Tod am Vormittag") ist gut. In Spanien gab es über das »Rasieren« der Stiere (Abfellen der Hornspitze und Aufsetzen von Holzhörnern) seit Wochen endlose Diskussionen. Grund: Der Verkauf der Eintrittskarten für Stterkämpfe an Spanier ging um rund 50 Prozent zurück.
Es dürfte in diesem Zusammenhang interessieren, daß in einigen Städten, besonders in Sevilla und Valencia, das »Rasieren« der Stiere niemals möglich gewesen ist. Die »autoridades« dort besoldeten einige Veterinäre, die jeden Stier ganz genau untersuchten, bevor er in die Arena durfte. Am 27. Februar hat der Director General de Seguridad. General Martinez, ein »bando« (Verordnung) erlassen, in welchem neue Bestimmungen festgelegt werden. Jeder Stier, der in Spanien in die Arena kommt, wird von Veterinären untersucht, die der Sicherheitschef ernennt. Wenn festgestellt wird, daß die Stiere »rasiert« worden sind, so werden die Züchter und die Unternehmer gleichzeitig bestraft. Diese Strafen sind ebenso schwer wie bei Raubüberfällen: Bis zu sechs Jahren Gefängnis und bis zu 100 000 Pesetas (rund 37 500 DM) Strafe. Außerdem Entzug der Lizenz auf Lebenszeit. Rückwirkend wurden im März zwei Stierzüchter für zehn Jahre von der Belieferung der Arenen ausgeschlossen. Ferner steht allen Vereinigungen der »aficionados« das Recht zu, jeden getöteten Stier durch selbsternannte Veterinäre noch nachträglich untersuchen zu lassen.
Doch vor dieser Verordnung hatte »Privatjustiz« bereits eingegriffen. Im Februar und März wurden von »Unbekanten« drei Züchter, etwa drei Dutzend Arena-Angestellte und einige andere Personen in Madrid und Barcelona zum Teil so schwer verprügelt, daß sie für Wochen das Hospital nicht werden verlassen können; zum Teil wurden sie aus den Städten »gejagt«, sie können sich dort nicht mehr blicken lassen. Außerdem sind mehrere »novilleros« (Debütanten) in Acht und Bann getan und müssen umsatteln.
Madrid
Fernando Gonzales