Störer - DER SPIEGEL
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Briefe

Störer
• aus DER SPIEGEL 50/1949
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Störer

Der in Nr. 45 erwähnte 'Bund der Steuerzahler' veranlaßt mich zu der Frage nach der Verwendung der Rundfunkgelder. Ich gehe dabei von der Voraussetzung aus, daß etwa 90% der SPIEGEL-Leser Rundfunkhörer sind.

Die Sendeleitung des NWDR überfüttert den Berufstätigen in seinen wenigen freien Stunden weiterhin mit schwerer und schwerster Kost. In den leichten Morgenprogrammen, die immer mehr beschnitten werden, kehren etwa 20 Platten immer wieder. Z. B. das Sonnabendprogramm 7.20-7.45 Uhr mit der sich seit vielen Monaten ständig wiederholenden äußerst »witzigen« Einleitung ist beinahe genormt. Das sind nur Einzelheiten, zu denen mich die Meinungen anderer Rundfunkhörer interessieren würden.

Das beste Stück hat sich aber jetzt die Rundfunkstelle des Gütersloher Postamts geleistet. Ich bat erst telefonisch um Auffindung eines hartnäckigen Störers, der das Hören für längere Zeit ganz unmöglich machte. Das ging nicht. Ich mußte ein Formular abholen, das ich von Hausangehörigen und Nachbarn unterschreiben ließ. Auf der Rundfunkstelle lag eine ähnliche Beschwerde des gleichen Wohnbezirks mit einer Reihe von Unterschriften bereits vor. Diese Beschwerden wurden nun von der Rundfunkstelle Gütersloh (42000 Einw.) nach Bielefeld (18 km) weitergereicht, weil die Bielefelder vor ca. sechs Jahren (!) die Störsuchgeräte weggeholt hatten. Von Bielefeld kam die Antwort: Wegen großer Ueberlastung ... jetzt nicht möglich ... usw. usw.

Ist die Verwendung der Rundfunkgelder ein ebenso großes Geheimnis wie die Verwendung der Steuern? Feststeht, daß bei der Anschaffung von Platten und Störsuchgeräten eine große Sparsamkeit zu erkennen ist. Wo noch?

Gütersloh

HERBERT ENGHARDT

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