Hausmitteilung Strauß
Datum: 28. März 1983 Betr.: Strauß
Wäre Franz Josef Strauß Verteidigungsminister unter Kohl geworden, wenigstens das, wäre er in dieser Woche noch einmal auf dem SPIEGEL-Titel erschienen. Es hat nicht sollen sein.
28mal war er SPIEGEL-Titelheld, das erstemal, gezeichnet vom amerikanischen Künstler Artzybasheff, als Verteidigungsminister unter Adenauer in Nummer 1/1957. Im selben Heft erschien auch das erste von 20 SPIEGEL-Gesprächen mit Strauß, erstes SPIEGEL-Gespräch überhaupt. Das letzte (?) steht in diesem Heft.
Vom SPIEGEL gefragt war mal der Militärpolitiker, mal der Afrika-Stratege, mal der Finanzminister, mal der Airbus-Aufsichtsratsvorsitzende Strauß, seit 1969 immer auch der Prätendent auf neue Bonner Macht, der CSU-Chef, der Kanzler werden wollte und es durch immer neues Abstreiten unnachahmlich zu erkennen gab:
»Ich bin der Meinung, daß ich mich gewissen Anforderungen nicht entziehen kann. Aber wenn's nicht kommt, glauben Sie ja nicht, daß ich nachts weinend im Bett sitze und die Kissen benetze« (SPIEGEL 36/1969);
»Ich muß zugeben, daß ich darüber noch nicht eine unruhige Nacht verbracht habe« (44/1970);
»Da ich also nach Meinung Ihres Organs schon seit 30 Jahren praktisch nicht zum Schlafen gekommen bin, weil ich immer im Bett sitzend auf die Stunde warte, wo ich als Kanzler gerufen werde, kann ich Ihnen versichern, daß ich diesen Zustand auch noch die nächsten 30 Jahre fortsetzen werde« (38/1976);
»Es tut mir immer leid, wenn ich so liebgewordene Vorurteile unter Feuer nehme, ich sei vom Ehrgeiz zerfressen und säße nachts aufrecht im Bett, um den Ruf der deutschen Nation nicht zu überhören« (1/1978);
»Diesen Ehrgeiz habe ich nicht. Aber ich habe den Ehrgeiz, den Schlaf der zu Unrecht Satten zu stören« (14/1979);
»Ich halte mich für fähig, aber ich habe mich immer selber hinter die Gesamtnotwendigkeiten zurückgestellt« (53/1981).
Der running gag ist abgelaufen. Franz Josef Strauß letzten Freitag im SPIEGEL-Gespräch: »Ich hätte Stellvertreter des Bundeskanzlers sein können« (Seite 23). Dazu Rudolf Augstein auf Seite 18 »Von einem, der auszog, das Fürchten zu lehren«.