Streik - DER SPIEGEL
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Streik

• aus DER SPIEGEL 48/1948
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Seit sechs Wochen streiken 30000 CIO-Hafenarbeiter an der amerikanischen Westküste; seit zwei Wochen arbeiteten auch ihre 65000 AFL-Kollegen in den Häfen der Ostküste nicht mehr. Sie forderten eine Erhöhung ihrer Stundenlöhne um 25 Cents (anfangs um 50 Cents). Mehr als 500 Schiffe lagen in amerikanischen Häfen fest. 12000 Lastkraftfahrer schlossen sich dem Streik an. In New York warten fast 200000 Postpakete für Europa auf Abtransport. Jeden Streiktag blieben 20000 Tonnen Marshallplan-Güter (Wert 2 Millionen Dollar) liegen. »Der amerikanische Streik hat nichts mit Kommunismus zu tun«, versicherte der Präsident des Internationalen Hafenarbeiterverbandes Joseph Ryan. Am Mittwoch schlossen die Arbeitgeber und Hafenarbeiter einen Kompromiß. Der Stundenlohn wird um 13 Cents erhöht. Ab Montag soll gearbeitet werden.

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Seit acht Wochen ist in Frankreich die Streikparole der kommunistischen Bergarbeiter-Gewerkschaft gültig. 60 bis 80 Prozent der Kumpels sind jedoch bereits wieder unter Tage. Ueber 5 Millionen Tonnen Kohle im Werte von etwa 100 Millionen Dollar und 29 ersoffene Schachtanlagen sind die Kohlenstreik-Bilanz. Deutsche Kraftwerke des Ruhrgebietes müssen infolge des Franzosen-Streiks anstatt täglich 41000 Kilowattstunden Strom jeden Tag 210000 kWh liefern. Einige westdeutsche Betriebe mußten wegen Strommangels die Arbeitszeit verkürzen. Aus dem kommunistischen Eisenbahnerstreik in Frankreich wurde nichts. Auch der Hafenarbeiterstreik mußte mangels Begeisterung verschoben werden. Nur in Marseille, Bordeaux und Dünkirchen drang die Streikparole durch. Dünkirchens Hafenarbeiter verbarrikadierten sich in den Docks und in Anlagen des deutschen Atlantikwalls. Henri Queuille - dem am Mittwoch dreimal das Vertrauen ausgesprochen wurde - setzte Panzer und Kolonialtruppen gegen die Arbeiter ein.

Seit einer Woche hielt der starke internationale Gewerkschaftsarm die 85000 t große »Queen Elizabeth« in Southampton fest. Die Besatzung erklärte sich mit den streikenden Hafenarbeitern in Amerika solidarisch und verweigerte das Auslaufen des Schiffes nach den USA oder Kanada. Das kostete die Cunard-Reederei täglich 5000 Pfund Sterling. Die 1500 an Bord befindlichen Fahrgäste mußten kostenlos verpflegt werden. Die Schiffsleitung versuchte, sie mit Kino-Sondervorführungen bei guter Laune zu halten.

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