STREIK - DER SPIEGEL
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Briefe

STREIK
• aus DER SPIEGEL 35/1954
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STREIK

(Nr. 33 und Nr. 34/1954, Deutschland; Nr. 33/1954, Ausland)

Ihre beiden Artikel »Mindestens das Doppelte« und »Arbeiter als Gläubiger« in Ihrer Ausgabe vom 11. August 1954 (Seite 5 ff. bzw. Seite 24) sind vielleicht enger miteinander verbunden, als man es im ersten Augenblick annehmen möchte. In dem einen wird die bei uns augenblicklich vorhandene beängstigende Erstarrung der Fronten sichtbar, der andere zeigt die Möglichkeiten, die - nicht zuletzt zum Wohle der Arbeitnehmer - in einer Auflockerung dieser Fronten liegen könnten. Allerdings darf man dabei nicht blindlings die amerikanischen Verhältnisse mit den deutschen gleichsetzen.

... Man soll sich doch nicht ernsthaft der Illusion hingeben, daß die Arbeitnehmer eine Mitverantwortung wollen. Was sie aber bestimmt wollen, das ist mehr Geld, und die - nicht einmal unberechtigte - Forderung nach »Lohnerhöhung als Ausgleich für gesteigerte Leistungen« ist eine Forderung, die auf die Dauer immer populärer werden wird, schon weil sie verständlicher und handgreiflicher ist als die für den durchschnittlichen Arbeitnehmer vage Vorstellung der unter Umständen lästigen Mitbestimmung.

Auf der Arbeitgeberseite muß man sich darüber klar werden, wie man dieser wachsenden Popularität am günstigsten begegnet. Die wirtschaftliche Expansion, die Kaufkraftsteigerung

zur Ausweitung der Produktion muß ja nicht unbedingt durch eine expansive Lohnpolitik erreicht werden. Höhere Löhne = mehr Kaufkraft = gesteigerte Produktion: das ist ein für die Volkswirtschaft gefährliches Rechenexempel. Bei der Interdependenz der Weltwirtschaft ist immer eine Produktionsminderung möglich; erfahrungsgemäß sind dann die Preise nach oben und unten kurzfristig variabel, nicht aber die Löhne. Wenn man die Arbeitnehmer ernsthaft an der erhöhten Produktivität partizipieren lassen will, so soll man das über eine Ertragsbeteiligung machen ...

Düsseldorf

Brigitte Richard

... Man weiß nicht, ob es Dummheit oder Heuchelei ist, wenn von seiten der Gewerkschaften mit großem Lärm für die Erhöhung des Einkommens der Rentenempfänger und der kleinen Beamten eingetreten wird, wo man doch wissen müßte, daß Lohnerhöhungen bei der Arbeiterschaft nichts anderes bedeuten, als daß den Rentenempfängern usw. das Geld, das sie bekommen könnten, vor der Nase weggenommen wird ...

Bad Godesberg

H. A. Prietze Ministerialrat i. R.

Was nur den Gewerkschaftsvorsitzenden, Herrn Freitag, an der von Dir gezeigten Karikatur aus der »Welt« so in Harnisch bringt? Wer jemals arrivierte Gewerkschaftsfunktionäre im »Publikumsverkehr« gesehen hat, wird ihre hemdärmelig-klassenkämpferische Arbeiterverbundenheit in dieser karikaturistisch wiedergegebenen Manifestation peinlich genau bestätigt finden. Nimmt man dazu die bei allen Aktionen der

Gewerkschaft zutage tretende Einstellung, daß nur der zahlende Genosse etwas gilt, Rentner und Pensionäre - heute die wirklichen »Proletarier« - aber völlig uninteressant sind, dann kann man konstatieren, daß der Karikaturist auch das »background« des Problems haarscharf erfaßt hat.

München

Dr. Alfred Martin

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