Suche nach Schuldigen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 49 / 104

CHINA Suche nach Schuldigen

• aus DER SPIEGEL 30/2009
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Seit den schweren Unruhen in der Uiguren-Region Xinjiang Anfang des Monats beschwören Chinas Zeitungen und Fernsehsender die »Einheit der Völker« im Reich der Mitte. Zugleich gehen die Behörden scharf gegen mutmaßliche Hintermänner der Zusammenstöße zwischen muslimischen Uiguren und Han-Chinesen vor, bei denen nach offiziellen Angaben knapp 200 Menschen ihr Leben verloren. Als Schuldigen stuft die KP offenbar auch den uigurischen Wirtschaftswissenschaftler Ilham Tohti, 39, ein, er kam wohl inzwischen in Haft. Der Dozent an der Zentralen Universität für Nationalitäten in Peking tritt für politische Reformen ein, gilt aber keineswegs als Befürworter von Gewalt. Tohtis Web-Seite »Uygurbiz.cn« ist gesperrt.

Im Internet und in Interviews hatte Tohti der Darstellung Pekings widersprochen, verantwortlich für die Gewalt in Xinjiang seien allein Separatisten mit Verbindungen zu al-Qaida. Er sieht eine Ursache der Spannungen in der hohen Arbeitslosigkeit, die besonders die Uiguren trifft, weniger die Han-Chinesen. Er forderte deshalb »gleiche Chancen und gleiche Entwicklung« für alle Bevölkerungsgruppen, denn »in Bezug auf Freiheit und Demokratie ist die Lage in Xinjiang, verglichen mit anderen Regionen Chinas, die schlechteste der schlechten«. Mehr als 300 Intellektuelle verlangten in einer Petition, den Gelehrten freizulassen.

Indes warnte Peking Rechtsanwälte davor, »Schläger, Brandstifter und Plünderer« in Xinjiang zu verteidigen. Sie erwarte von den Juristen, die »wahre Natur des Zwischenfalls zu erkennen« und die »Einheit des Landes zu schützen«.

Zur Ausgabe
Artikel 49 / 104