SÜNDENFALL - DER SPIEGEL
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Briefe

SÜNDENFALL
• aus DER SPIEGEL 41/1961
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SÜNDENFALL

Herr Daniel! Haben Sie eigentlich beim SPIEGEL Narrenfreiheit?

Arnsberg (Westf.) GÜNTER T.F. HÖLSCHER

Meines Erachtens bist Du noch dümmer als der Durchschnittswähler mit seinem minderen Fassungsvermögen. Meinst Du wirklich, beim Ausscheiden Deutschlands aus dem Machtkampf zwischen Ost und West hätte eine Aussicht bestanden, den östlichen Kommunismus auf deutschem Boden »auszutrocknen«?

Augsburg GEORG FOEUS Die bestmögliche Sicherung der Westgrenze ist der entscheidende Gesichtspunkt der Europa-Politik des Kremls seit dem Überfall durch Hitler. Hierzu ist die Beherrschung der Westslawen erforderlich. Dieser stand entgegen

- ihre westliche Orientierung und

Tradition,

- ihr Überlegenheitsgefühl den Russen gegenüber in kultureller und zivilisatorischer Hinsicht,

- ihre instinktive Angst vor der übermächtigen russischen Umarmung, - die ihnen zugemuteten Gebietsverluste.

Das Tor nach dem Westen mußte daher sowohl für ihre Staaten als auch für jeden einzelnen von ihnen geschlossen werden. Das Erstere wurde durch die Oder-Neiße-Linie, das Zweite dadurch erreicht, daß man an der Austreibung der Deutschen möglichst viele Menschen aktiv oder als Nutznießer beteiligte. Um diesen Effekt zu sichern, muß Restdeutschland geteilt bleiben, in einen »cordon sanitaire«, der auch den Vorwand für die Beibehaltung von Besatzungsstreitkräften gibt, und in einen »Revanchestaat«, dessen Existenz das schlechte Gewissen wachhält. An der Beseitigung des Schönheitsfehlers Berlin arbeitet man ja gerade. Bei der robusten Zielstrebigkeit sowjetischer Politik hatte jedenfalls der Gedanke einer »Austrocknung« des Systems der Zone nie eine Chance.

Wiesloch (Baden) DR: H. WALENA

Will der SPIEGEL sich der Lächerlichkeit preisgegeben? Ich habe den Schock Ihrer bisherigen abenteuerlichen Bauchtänze um das Thema Alternative noch nicht überwunden, da setzen Sie Ihrer Bewußtseinsspaltung die Krone auf! Konstanz (Bodensee) HEINZ FINKE

Es ist doch naiv, anzunehmen, daß die Herren vom Petersberg vor oder nach dem 5. Mai 1955 gestattet haben würden, den östlichen Kommunismus freiwillig nach Westdeutschland hereinzulassen, um ihn auf »deutschem Boden auszutrocknen«. Es ist unsinnig anzunehmen, daß das die Bevölkerung jemals mitgemacht hätte.

Dieren (Holland) MANFRIET F. FRYMAN

Nachdem ich seinen ausgezeichneten Artikel gelesen, träumte mir in der Nacht, Jens Daniel wäre Bundeskanzler geworden. Da stand er vor dem Mikrophon, um eine Ansprache an sein Volk zu halten. Doch jenes anheimelnde Gefühl der Geborgenheit und des Vertrauens, ansonsten von jeder die Rheinwiesen abgrasenden Hammelherde so beispielhaft demonstriert, fand keinen Platz in meinem Herzen. Woran konnte das liegen? Ein biblisches Alter hatte er erreicht, der Kanzler Daniel. Gerissenheit und Frömmigkeit hatten sein reifes Antlitz geprägt. Seine Hände liebevoll auf einem Stapel Hirtenbriefe gebettet, die seine Wahl zum Bundeskanzler aus allerchristlichster Verantwortung erfolgreich herbeigefleht hatten, begann er seine Ansprache. Und bei den ersten Worten kam mir die traurige Erkenntnis, und ich wußte, was da fehlte: die Einfalt!

Düsseldorf NORBERT HELLERFORTH

Auch Sie haben Angst vor dem scharfen, schärfer werdenden Salami-Messer, weil Sie den Haß-gegen-Rot-Bazillus in ihre braune Soße mischen!

Bielefeld SIEGFRIED SKOLUDA

Ich möchte Ihnen herzlich für Ihre Artikel danken. Mir jedenfalls bedeuten sie viel, vor allem durch die Bestätigung, daß es noch Leute gibt, die mit beiden Beinen auf der Erde stehen und, so will mir scheinen, mit dem Herzen Politik machen und nicht nur mit fadenscheinigen christlichen Argumenten.

Stöckte (Luhe) KARL MUTH

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