PAKISTAN Sündiger Klerus
Rückschlag für die Islamisten. Ausgerechnet ein Sexskandal erschüttert den sittenstrengen pakistanischen Klerus und verunsichert dessen Anhänger. In den Koranschulen der muslimischen Nation seien allein im vergangenen halben Jahr rund 500 Minderjährige missbraucht worden, enthüllte der Staatsminister im Religionsministerium, Aamir Liaquat Hussain. Mehr als ein Dutzend tatverdächtige Geistliche wurden vorübergehend festgenommen. Viele Opfer sind Jungen und Mädchen unter 14 Jahren.
Der Vorstoß des Ministers, dessen Muttahida-Qaumi-Bewegung den westfreundlichen Präsidenten Pervez Musharraf unterstützt, rührt bei den knapp 145 Millionen Muslimen des Landes an ein Tabu - obwohl Kindesmissbrauch in Pakistan nicht selten ist. Erst Anfang Dezember hatte sich eine Hilfsorganisation mit der Klage an die Öffentlichkeit gewandt, dass mehr als 90 Prozent der Straßenkinder Karatschis homosexuelle Kontakte haben. Musharraf kommen die nun auch aus den Religionsschulen berichteten Sündenfälle gelegen, da sie die moralische Autorität des oft regierungskritischen Klerus untergraben. Dessen Einfluss auf die 10 000 Koranschulen des Landes, in denen etwa 1,5 Millionen Schüler im rechten Glauben unterwiesen werden, ist gewaltig. Wenn sie ihr Ansehen nicht verlieren wollen, kritisierte Staatsminister Hussain die für ihren Glaubenseifer bekannten Religionslehrer, sollten sie künftig mehr Verantwortung zeigen und »über ihre fünf täglichen Gebete hinausdenken«.