Süß
Es kam nur zu einigen Kinnhaken. Hundert Polizisten und zwei Radio-Streifenwagen hatten nichts zu tun, als Veit Harlan im Hamburger Schwurgericht zum zweiten Male freigesprochen wurde. »Sind das Blumen für den Mörder?« wurde Kristina Söderbaum von anderthalb Dutzend FDJ-Angehörigen gefragt, als sie ihren Mann an der Gerichtstür mit einem Strauß beglückwünschen wollte. Es gab Boxhiebe für Kristinas Begleiter. Sie selbst flüchtete in ihren Wagen, gab zuviel Gas und entfuhr ruckartig. Harlan seinerseits enttäuschte etwa 300 Zuschauer. Um einen Schulter-Triumphzug wie beim ersten Freispruch zu verhindern, schleusten ihn sechs Polizisten durch die Gefängnisküche ins Freie. - Der Film »Jud Süß« war ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, begründete Vorsitzender Dr. Tyrolf den Freispruch, aber man habe Harlan eine Schuld nicht nachweisen können. Dr. Tyrolf sprach Harlan auch schon im ersten Verfahren frei. Die Kosten des zweiten Harlan-Prozesses fallen der Staatskasse - dem Steuerzahler - zur Last. Oberstaatsanwalt Kramer bereitet sich auf die Revision - Harlan-Prozeß Nr. 3 - vor.