Sun Yaoting, - DER SPIEGEL
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Sun Yaoting,

• aus DER SPIEGEL 25/1985
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Sun Yaoting, 82, einziger noch lebender Eunuch des letzten chinesischen Kaisers, kehrte nach Jahrzehnten an die Stelle seines Wirkens zurück. Vor jungen Angestellten, die den früheren Kaiserpalast heute als Museum führen, zeigte sich das »Opfer der feudalistischen Dynastien« (die deutschsprachige, in Peking erscheinende Zeitschrift »China im Bild") überrascht darüber, wie »majestätisch und prächtig« der Palast instand gesetzt wurde. Zu seiner Zeit hätten sich überall im Palast »Vorzeichen des Verfalls« gezeigt: »Man hatte immer das Gefühl, als ob sich das Ende der Welt nähere.« Beim Wandeln durch den Chuxiu-Palast erkannte Sun aber nicht nur seine eigene Unterkunft (Photo Mitte), sondern auch das Zimmer der Kaiserin Wan Rong (Photo 1.) und das Klavierzimmer von Kaiser Pu Yi (Photo r.). Im Yikun-Palast rostete an einem Querbalken immer noch ein Eisenring - Sun: »Er diente zum Anbringen der Schaukel. Die Hofdamen schaukelten oftmals hier. Die Kaiserin hatte Angst und wurde nur von uns ein paarmal hin und her geschwenkt.« Sun Yaoting war als Knabe vom eigenen Vater ("Ihm standen Tränen in den Augen") in den Kreis der Entmannten befördert worden - damals die einzige Möglichkeit für die Kinder armer Leute, an den Hof und damit zu Macht und Einfluß zu gelangen. Nach Zwischenstationen bei des Kaisers Onkel und einer kaiserlichen Konkubine schaffte Sun den Sprung zum Leib-Eunuchen des Kaisers. Seinen Herrn ließ er, die »Mißhandlungen« Pu Yis leid, 1925 sitzen - ein Jahr nachdem eben dieser letzte Kaiser der Tsching-Dynastie vor den Revolutionären zu den Japanern geflohen war. Danach hat die »Volksregierung sein Leben arrangiert«, wie es »China im Bild« vornehm umschreibt. Sun Yaoting lebt heute im Pekinger Kloster Guanghua zusammen mit seinem Sohn - einem Adoptivkind.

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