Hausmitteilung Syrien / Titel / Spiritualität
Mettelsiefen, Reuter
Foto: MARCEL METTELSIEFEN / Der SpiegelIn drei verschiedenen Fahrzeugen, mit langen Stopps in abgelegenen Gehöften, begleitet von Kundschaftern auf Motorrädern, die jeden Streckenabschnitt vor der Durchfahrt nach jäh errichteten Checkpoints absuchten - so verlief die Reise des SPIEGEL-Reporters Christoph Reuter nach Hula in Zentralsyrien, wo am 25. Mai über hundert Menschen ermordet wurden. Den Ortsteil Taldu, den Ort des Massakers, kontrollieren die Dörfler jetzt selbst, gemeinsam mit einer Gruppe der »Freien Syrischen Armee«, wobei beide weitgehend identisch sind. Dort konnten sich Reuter und Fotograf Marcel Mettelsiefen frei bewegen, jedenfalls bis am ersten Abend in der Nähe Granaten einschlugen. In einem der wenigen Keller des Ortes wurden die Interviews zwischen eingelagerten Lebensmitteln weitergeführt, unterbrochen nur vom Streit, ob es für den Fall eines Granattreffers besser sei, die Tür offen oder geschlossen zu halten. Die Aussagen der Zeugen, so Reuter, »geben klare Hinweise darauf, wer die Täter waren« (zum Artikel ).
Tausende Dokumente über das Olympiamassaker von München, bei dem 1972 elf Israelis starben, haben deutsche Behörden auf Antrag des SPIEGEL jetzt freigegeben. Zunächst skeptisch saßen die Redakteure Felix Bohr, Gunther Latsch und Klaus Wiegrefe vor den Ordnern und fragten sich, ob sich der Aufwand lohnen würde. Doch schnell war klar, warum viele der Akten bislang mit »Geheim« gestempelt waren: Sie belegen das Ausmaß des Versagens deutscher Politiker, Polizisten und Geheimdienstler. Monate vor dem Attentat gab es Warnungen, dass Terroristen aus Nahost die Spiele attackieren wollten - doch sie wurden ignoriert oder versickerten. Nachträglich liest sich die im Herbst 1972 vorgelegte Darstellung der Bundesregierung und der bayerischen Landesregierung wie eine Mischung aus Halbwahrheiten und Desinformationen. Den Behörden, sagt Latsch, seien »so gravierende Fehler unterlaufen, dass von einer Unausweichlichkeit der Katastrophe nicht mehr die Rede sein kann«. Die Sicht des damaligen Innenministers Hans-Dietrich Genscher sowie deutscher und israelischer Sportler schildert eine SPIEGEL-TV-Dokumentation für die ARD, die der SPIEGEL-Inlandsausgabe als DVD beiliegt (zum Artikel ).
Mit dem Körper, dem Geist, dem Lebenssinn und dem Glück beschäftigte sich SPIEGEL-Reporter Jochen-Martin Gutsch. Er tauchte ein in die Welt der spirituellen Angebote - ein Millionenmarkt, der die Sehnsüchte der Deutschen bedient. Gutsch schlug Offerten aus, sein Karma zu reinigen oder seinen genetischen Code zu stabilisieren. Ausprobieren wollte er die »energetisch wirkende Bettwäsche«, die ihn interessierte, weil er bisweilen unruhig schläft. Auf einer Messe schmiegte er sich 20 Minuten lang in diese Wäsche, seine linke Hand, die »Herzhand«, legte er auf ein Symbol, das auf der Wäsche appliziert ist. Es sei, so erfuhr er, aus der »geistigen Welt« an den Bettwäscheproduzenten übermittelt worden. Einen Aktivierungs-Code, ebenfalls aus der geistigen Welt, sollte er dreimal aussprechen, dann abwarten. Ob er etwas spüre, wurde er schließlich gefragt. Gutsch: »Leider nein« (zum Artikel ).