Täglich Angst - DER SPIEGEL
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Artikel 82 / 92

Briefe

Täglich Angst
• aus DER SPIEGEL 34/1981
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Täglich Angst

(Nr. 32/1981, SPIEGEL-Titel: »Das perfekte Verbrechen - Vergewaltigung")

Vergewaltigung? Kein Mann mit seinen Hosen herunter kann so schnell laufen wie eine Frau mit ihrem Rock hoch.

Dilsberg-Neuhof (Bad.-Württ.) DR. GÖTZ HOHENSTEIN

Dieses Titelbild ist eine Vergewaltigung. Es unterstellt die im Text zurückgenommene verbreitete Ansicht, die Frauen forderten selbst dazu auf.

Es vergewaltigt Männer durch den sexuellen Anreiz dazu, sich dies Heft zu kaufen, vielleicht fordert es sogar zu neuen Vergewaltigungen heraus, indem der Text die animierten Erwartungen frustriert.

Nimmt man die Schrift weg, entsteht das Bild eines armen, hilflosen Wesens, das mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln einen starken Mann sucht, der es in den Arm nimmt.

Dieses Titelbild ist ein starkes Stück.

München URSULA SCHMIDBAUER-SCHLEIBNER Für die Fraueninitiative 6. Oktober

Vergewaltigung kann man nicht optisch darstellen. Meine Skepsis ist verständlich, denn nicht immer lösen Bilder über Vergewaltigung nur Betroffenheit aus.

Schaafheim (Hessen) BRIGITTE BRAUN

Beim Anblick des saftigen Busens läuft doch jedem Möchtegern-Vergewaltiger das Wasser im Munde zusammen. Verdammtes, elendes, blödes Scheiß-Männerpack!

Berlin EVAMARIA SCHMIDT

Obwohl ich als Kriminalbeamtin Ihren Artikel über Vergewaltigung als überraschend objektiv und zutreffend empfand, halte ich die optische Darstellung des Themas auf dem Titelbild für »männertypisch« und deshalb mißlungen.

Dieses Bild stimmt mit meiner Praxis nicht überein: Ein Großteil der Frauen, die ich im Dienst nach einer Vergewaltigung vernommen habe, war 40, 50 -- ja sogar 80jährig: oft sehr unattraktive Frauen, sogar weibliche Säuglinge wurden vergewaltigt. Oft wurde die Lage von behinderten oder geistig zurückgebliebenen Frauen schamlos ausgenutzt, die Verletzungen waren meist erheblich und keineswegs so gering und unblutig, wie von Ihnen auf dem Titelbild dargestellt.

Auch bei den Männern sollte ein Ekelgefühl vor solchen Taten und ein Abstand zu ihrem eigenen Geschlecht wachgerufen werden und nicht die Überlegungen beim Betrachten einer Frau: »Die würde ich auch mal ganz gerne ...«

Bochum URSULA HORN

Den Umschlagentwurf für das gleichnamige SPIEGEL-Buch halte ich für besser.

Frankfurt MARIE-ROSE MENZEL

Eine Frau, die ich kannte, wurde in diesem Jahr vergewaltigt und ermordet. Und ich selbst habe Angst -- täglich.

Bergisch Gladbach (Nrdrh.-Westf.) KARIN VOLLMAR

Nach meinen Erfahrungen richtet sich in der Regel die Gewalt nicht gegen die ganze Person des Opfers. Die wenigsten Täter wollen den Opfern ans Leben. Ebenso ist es unzulässig, dem Täter »Frauenhaß« als ubiquitäres Motiv zu unterstellen. Kaum ein Frauenhasser würde zur Befriedigung seines Hasses ausgerechnet das Mittel des heterogenen Koitus wählen.

Oft geben Täter als Entschuldigung ihren Erregungszustand an. Dieser Entschuldigungsversuch ist nicht akzeptabel.

Mancher Mann kommt allerdings durch das Vortatsverhalten potentieller Opfer in Konflikt, weiß nicht, woran er ist, und »zählt es an den Knöpfen ab«. Zufall! Einfach fragen?

Wiesbaden K.-JÜRGEN BRACK Kriminaloberrat

»Der Blick auf die Bluse« bedeutet nicht Notzucht, er bedeutet Geringschätzung, Reduzierung der Person auf Geschlechtsmerkmale, er bedeutet die Demonstration männlicher Macht.

Kassel KATHRIN TRAUTMANN

Dadurch, daß Frauen mit Trillerpfeifen ausgerüstet werden oder mit Stromschock-Geräten, sind sie vor der generellen, gesellschaftlich anerkannten Aggression der Männer auch nicht sicherer.

Mudersbach (Rhld.-Pf.) BARBARA FORWICK

Dies ist kein Plädoyer für Vergewaltigung und Notzüchtiger, nur:

Wenn ich mit wippenden Brüsten auf der Straße oder in Lokalen die Männer S.8 aufgeile, dann fordere ich selbige heraus.

Wenn ich zu einem wildfremden Mann ins Auto steige und mit ihm in seine oder meine Wohnung gehe, nehme ich zumindest »billigend in Kauf«, daß sich der Herr etwas näher mit mir beschäftigen will (und ich mich eventuell mit ihm). Oder gibt es Damen, die dann den Rosenkranz beten wollen?

Merke: Man kann nicht jemandem ein Zuckerstückchen hinhalten und wieder wegziehen, ehe er daran schlecken kann, ohne die Gefahr, daß sich dieser Jemand das Zuckerstückchen eventuell einmal mit Gewalt nimmt.

Frankfurt KARIN ROSE

Ich denke, man sollte den Frauen, wo immer sich die Möglichkeit bietet, Mut machen, unbeirrt auf ihrem Recht zu bestehen, nein zu sagen, auch wenn sie selbst eine sogenannte zweideutige Situation mit herbeigeführt haben.

Frankfurt NELE LÖW-BEER

Vergewaltigung, die nicht mit dem Schwanz stattfindet über Stunden und Tage, sondern fast mühelos über eine beinahe unbegrenzte Zeit gehen kann, indem Frauen gefesselt, geschlagen, beleidigt, gedemütigt werden. Alles Dinge, die die Manneskraft nicht lahmlegen, die Frau aber total entwürdigen.

Gewalt und keine Lust? Da muß ich vergessen haben, daß zahllose Sexualkrüppel dafür sorgen, daß Sado ein Hit aller Sexmessen und -keller ist. Hier, in England, in Amerika, wo immer man hinkotzt. Eine ganze Schweine-Industrie lebt gut davon.

Hamburg PEGGY PARNASS

Sittenstrolche sind keine Menschen, sondern Viecher und gehören als Viecher behandelt. Sie sind nicht resozialisierbar. Als Maßnahmen »chlage ich vor: Der Grundsatz »im Zweifel für den Angeklagten« » darf nicht gelten.

» Öffentlicher Pranger mit der Möglichkeit, den Täter mit » » faulen Tomaten zu bewerfen. Ort: in der Nähe seiner Wohnung » oder Arbeitsstätte.

» Öffentliche Auspeitschung wie im Orient. Muß nicht den » » Charakter einer Folter annehmen. Hierbei mit Rohrstock auf » den nackten Hintern.

» Ausreichend lange Zuchthausstrafe, da alle Sittenstrolche » Serien- und Wiederholungstäter sind.

» Berufsverbot nach Entlassung aus dem Zuchthaus und » » zwangsweise Beschäftigung als Latrinenputzer oder » » dergleichen. »

Ich hoffe, mit dieser Zuschrift einen positiven Beitrag zu der zweifellos von Ihnen entfachten Diskussion geleistet zu haben.

Ludwigsburg (Bad.-Württ.) BARBARA SAUER Insassin eines Frauenhauses S.9 Die Männer sollten froh sein, wenn die Frauen nur schreien: »Schwanz ab« und kein Messer zücken, wenn die bloße Aussage, keinen Geschlechtsverkehr mit diesem Mann haben zu wollen, nicht reicht und er trotzdem die Frau belästigt und in sie dringen will.

Berlin MARGIT ROTHAS

Umfangreiche Farbschmierereien am neu renovierten Landgericht Freiburg -- auch ein Erfolg Ihres Artikels! Zur Verdeutlichung soll das beigefügte Lichtbild dienen.

Schallstadt (Bad.-Württ.) GERHARD BECK

Als Student hörte ich in der gerichtsmedizinischen Vorlesung von dem folgenden »Griff«, den jedes Mädchen und jede Frau kennen müsse:

Keine Panikreaktion! Im ersten geeigneten Moment Griff mit beiden Händen nach den Hoden des Angreifers, die mit in sich zusammenschließenden Fäusten mit aller Kraft gepreßt werden. Der Schmerz ist so überwältigend und anhaltend, daß der Angreifer nicht nur sofort von seinem Opfer abläßt, sondern sich am Boden in Schmerzen windet und damit der Angegriffenen genügend Zeit zum Entkommen läßt.

Diese Methode erfordert zweifellos ein hohes Maß von Kaltblütigkeit und vorbereitendem psychologischen Training für eine solche Situation.

Chicago (USA) DR. MED. RUDOLF VEIDT, MD

Die völlig verfehlte, an animalischen Paradigmen orientierte »moderne« Sexualerziehung der Kinder und der Jugendlichen mit Unterricht in seelenloser Genitaltechnik, im Verein mit einer zu liberalistischen, in Film und Praxis gezeigten Geschlechterbeziehung und der Herabwürdigung der Frau zum »gleichberechtigten, Zubrot verdienenden Arbeits- und Sexkumpel« sowie das exhibierende Verhalten vieler Mädchen in Kleidung und Gehabe werden von einer gewissen Sorte Männer als Aufforderung zum (gewaltsamen) Koitus zu jeder Zeit und an jedem Ort, S.10 »wie unter Hunden und Katzen«, verstanden.

Und nun versuchen die Laien im Bundesgesundheitsministerium die Symptome eines von der Regierung selbst begünstigten und gebahnten, zumindest nicht verhüteten »Morbus morum« zu therapieren.

Denzlingen (Bad.-Württ.) DR. MED. JOSEF J. GOMER, D.T.M. & H.

Was vor allem fehlte, war die Beschreibung der jahrelangen Bemühungen der über zwanzig autonomen Notrufgruppen in der Bundesrepublik und West-Berlin. Sie stellen anscheinend eine Gefahr für diese Männergesellschaft dar, denn sie tun das, was in Ihrem Artikel zu vermissen war, sie decken die Ursachen der Vergewaltigung auf und werden nicht einmal erwähnt. Mit unfreundlichen Grüßen einer hysterischen Emanze

Kassel HEIDI KEENON

Unser »Nein« ist ein »Nein« -- und wir verlangen absolut nicht danach, überfallen, verprügelt, eingeschlossen und belästigt (sei es sexuell oder auf andere Weise) zu werden. Dies sollte endlich mal begriffen werden!

Köln IDA-MARIA GIESEN

Man kann dem Artikel (leider) nicht vorwerfen, er sei unausgewogen. Er ist wohl nicht einmal frauenfeindlich. Aber antifeministisch ist er auf wahrhaft kämpferische Art: Die Positionen der Frauenbewegung werden nicht nur unvollständig zitiert, verzerrt und verdammt. Hier fragt man sich, wer denn, wenn nicht die Feministinnen, den Frauen die Lobby machen soll.

Der SPIEGEL ist dazu, angesichts seines mageren Endergebnisses (Lösung: grundlegende Veränderung der geschlechtsspezifischen und Sexualerziehung, das heißt noch 1000 Jahre ungestrafte Vergewaltigung), ebenso ungeeignet wie der Bundesgerichtshof.

Freiburg THOMAS BRACKEL

S.8

Der Grundsatz »im Zweifel für den Angeklagten« darf nicht gelten.

Öffentlicher Pranger mit der Möglichkeit, den Täter mit faulen

Tomaten zu bewerfen. Ort: in der Nähe seiner Wohnung oder

Arbeitsstätte.

Öffentliche Auspeitschung wie im Orient. Muß nicht den Charakter

einer Folter annehmen. Hierbei mit Rohrstock auf den nackten

Hintern.

Ausreichend lange Zuchthausstrafe, da alle Sittenstrolche Serien-

und Wiederholungstäter sind.

Berufsverbot nach Entlassung aus dem Zuchthaus und zwangsweise

Beschäftigung als Latrinenputzer oder dergleichen.

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