Techtelmechtel - DER SPIEGEL
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Briefe

Techtelmechtel
• aus DER SPIEGEL 38/1949
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Techtelmechtel

Ich las Ihren Bericht über die mongolischen Probleme in Nr. 36. Als ich um Weihnachten 1937 im europäisch maskierten Hotel der Ostchinesischen Eisenbahn in Mukden dem »Prinzen Teh Wang« die Hand drückte, erstarben ein halbes Dutzend niedliche japanische Dienergeisterchen mit breiten Kimonoschleifen über dem Gesäßchen in tiefen Bücklingen. Die roten Mündchen schlürften hörbar Höflichkeitsluft. Der wüstentrockene Fürst von hoher Gestalt schnupfte aus silbernem, mit Koralle und Türkis besetztem Fläschchen. Er hatte gerade dem Kaiser Puhji in dessen Palast-Gefängnis in Hsinking einen Besuch gemacht. Dies und manch weiteres Techtelmechtel mit den Japanern brachte ihm den Ruf eines japanischen Kollaborateurs ein, aber er war es wohl ebensowenig wie ich. Die Japaner hatten keinen Grund, ihm über seine notorische Abneigung gegen den Moskau-hörigen Tscheubalsan, dem Herrn der Mongolischen Volksrepublik von Sowjets-Gnaden, hinaus, zu trauen.

Der »Spiegel« reflektiert einen Grad über das Ziel mit seiner Feststellung, daß die Mongolische Volksrepublik bereits juristisch ein Bestandteil der Sowjet-Union geworden sei.*) Bei diplomatischen Empfängen in Moskau steht auch heute noch in einer Ecke des Zuckerkönig-Palastes in der Spiridonowka eine verlorene Gruppe jüngerer bräunlich-mongolischer Herren im Frack, die sich mit niemandem unterhalten: Die Repräsentanten der Volksmongolischen Botschaft am Kreml. Tannu Tuwa allerdings, die Briefmarkenrepublik ohne Briefkasten im Land, wählte dagegen bereits 1946 zum Obersten Sowjet der UdSSR. Dadurch erfuhr man, daß dies geheimnisvolle Uran-Gebiet nicht mehr »Volksrepublik« war, sondern

*) Am 3. 3. 49 meldcte Radio-Ulan Bator, daß der Kleine Kural, die Nationalversammlung der Mongolischen Volksrepublik, mit großer Mehrheit den politischen und wirtschaftlichen Anschluß an die Sowjetunion beschloß. - Red. Bestandteil der Sowjet-Union wurde. Aus ist es mit den schönen Briefmarkenserien!

Moskau verfolgt in Asien genau dieselbe Politik des Aufbaus eines Cordon sanitaire vor seinen Grenzen wie in Europa. Die »Spiegel«-Karte veranschaulicht den asiatischen Sicherheitsgürtel recht gut. Teh Wang hat bei dieser Lage noch allerhand Möglichkeiten, ein mehr oder weniger unabhängiges Mongolenreich zu schaffen.

Stuttgart

ARTUR W. JUST

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