Telekiddies - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 57 / 124

Telekiddies

• aus DER SPIEGEL 10/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es soll Leute geben, die ihren Fernsehtag frühmorgens mit der Wiederholung von »Unter uns« anfangen, dann mit »Vera am Mittag« und »Arabella« weitermachen, bei Richter Hold kurz rasten und über »Taff« bei »Blitz« und »Explosiv« ankommen, um den Tag mit Birgit Schrowange, Stefan Raab und Johannes B. Kerner zu beenden: etwas ermüdet, aber doch in der schönen Gewissheit, über die Welt Bescheid zu wissen. Solche treuen Zuschauer hat das Fernsehen am liebsten, und so fängt es mit der Kundenpflege schon früh an: Für die Kleinsten gibt es von 7 Uhr morgens an den Kinderkanal »KiKa«. Dort krakeelen »Twipsy«, »Sesamstraße« und »Wickie«, und um 18.55 Uhr werden die lieben Kleinen dann mit dem »Sandmännchen« ins Bett geschickt. Derzeit schaut das durchschnittliche deutsche Kind täglich 98 Minuten in die Glotze - nicht genug, meinen die KiKa-Manager und wollen deswegen ihr Programm nächstes Jahr bis 21 Uhr, von 2005 an sogar bis 22 Uhr verlängern. Denn zu dieser Zeit laufen etwa auf ProSieben und RTL 2 total geile Sendungen, die offenbar Kinder und Jugendliche richtig begeistern. Bislang müsse KiKa »genau zu der Zeit aufhören, zu der seine Klientel den Fernseher mehrheitlich einschaltet«, klagt jedenfalls der zuständige Intendant, MDR-Chef Udo Reiter. Unerträglicher Zustand. Dabei scheint der Mann noch gar nicht zu wissen, dass nach dem neuen Jugendschutzgesetz bald schon 14-Jährige allein bis 23 Uhr in der Disco bleiben dürfen. Die Mitternachtsausgabe der »Teletubbies« muss dringend her.

Zur Ausgabe
Artikel 57 / 124