Entgegen früheren Erwartungen rechnet die Regierung in Bonn noch nicht mit einer kurzfristigen Freilassung des Hoechst-Mitarbeiters Rudolf Cordes 53, aus der Geiselhaft schiitischer Fundamentalisten im Libanon. Der Bonner Krisenstab versuchte letzte Woche erneut in telephonischen Kontakten zu den Regierungen in Teheran und Damaskus auf die Geiselnehmer des seit Januar Verschleppten einzuwirken. Nach wie vor besteht keine direkte Verbindung zu den Entführern. Außer der Information des vorige Woche freigelassenen Siemens-Technikers Alfred Schmidt, 47, bis zuletzt mit Cordes gemeinsam festgehalten worden zu sein, gibt es seit Monaten kein authentisches Lebenszeichen des Verschleppten. Die Bonner sind überzeugt, »daß der Schlüssel für die Freilassung von Cordes in Teheran liegt«. Doch es gilt als ungewiß, ob der Einfluß der Iraner und Syrer allein die Freilassung bewirken kann. Die Krisenstäbler geben vor, »über keine schlüssigen Erklärungen« zu verfügen, warum Schmidt als erster nach Lösegeldzahlungen aus der Industrie aus der Geiselhaft entlassen wurde und der gesundheitlich angeschlagene Cordes noch nicht. Der einzige Bonner Beitrag zur Lösung der Geiselaffäre sei die Weigerung der Regierung den mutmaßlichen Terroristen Mohammed Ali Hamadei an die USA auszuliefern. Neben der von den Geiselnehmern Anfang September honorierten »vernünftigen Haltung« Bonns im Golfkrieg gebe es keinerlei Zusicherungen. Gerüchte über Waffenlieferungen an den Iran werden von Regierungsmitgliedern energisch bestritten: »Ein Irangate hätte uns gerade noch gefehlt.«
Dieser Ausdruck wurde am 17.10.2026 erstellt und ist ausschließlich für den persönlichen Gebrauch lizenziert.
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