INDIEN Tempel-Attacke schürt Unruhen
Der Anschlag auf den Tempelbezirk von Ayodhya am vergangenen Dienstag nährt die Angst vor neuen Ausschreitungen zwischen Hindus und Muslimen auf dem Subkontinent. Der Ort in Nord- indien gilt als Geburtsstätte des Hindu-Gottes Rama, auf der aber im Jahr 1528 Muslime die Babri-Moschee errichteten. Bereits 1992 hatte ein Hindu-Mob das muslimische Gebetshaus geschleift. Die aufgebrachte Menge forderte einen Tempel zu Ehren des von einem uralten Epos mystifizierten Helden. Über 2000 Menschen starben während der Ausschreitungen. Vor allem der ehemalige Innenminister und heutige Chef der hindu-nationalistischen Partei BJP, Lal Krishna Advani, 77, soll die Pogromstimmung entscheidend angeheizt haben. Noch Jahre später gingen BJP-Politiker auf Stimmenfang mit der Forderung, den Hindu-Tempel zu errichten. Tatsächlich aber stehen erst ein paar provisorische Bauten auf dem Areal, das von hohen Mauern geschützt wird. In die sprengte ein sechsköpfiges bewaffnetes Kommando vorige Woche per Autobombe ein Loch. Als die Täter, vermutlich radikale Muslime, zum Sturm auf das Gelände ansetzten, starben sie im Kugelhagel der Polizei.
Zumindest gelang es den Extremisten, neue Unruhe zu schüren. In vielen Städten kam es zu Protestkundgebungen, die Regierung in Neu-Delhi erhöhte die Sicherheitsstufe. Und die indische Justiz interessiert sich für die Rolle des heutigen Oppositionsführers Advani. Er soll sich demnächst vor Gericht verantworten. Wohl auch wegen seiner bevorstehenden Anhörung verurteilte Advani den Bombenanschlag sofort als »alarmierend« und sagte einen geplanten Besuch in Ayodhya ab, vorerst zumindest.