Terror-Tourismus - DER SPIEGEL
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Juli 1998 Terror-Tourismus

Brutale Übergriffe deutscher Hooligans überschatten die WM.
• aus SPIEGEL Chronik 54/1998
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Regungslos liegt der Körper des Polizisten auf dem Trottoir. Aus seinen Ohren rinnt Blut. Zwei Kollegen knien an seiner Seite, Entsetzen in den Gesichtern.

Die Aufnahmen von dem Gendarmen Daniel Nivel, der im nordfranzösischen Lens von deutschen Hooligans lebensgefährlich verletzt wurde, gingen rund um den Erdball. Dabei hatten PR-Strategen die Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich zur »fête du foot«, zu einer Art globaler Mustermesse des sportlichen Wettstreits, ausgerufen. Politiker und Sportfunktionäre reagierten mit routinierter Scharfmacher- und Betroffenheitsrhetorik.

Dem Kern des Gewaltphänomens wollte sich dagegen kaum einer so recht nähern: daß Hooligans nicht nur tumbe Schlägertrupps sind, sondern oftmals leidlich gebildet; daß sich unter ihnen Betriebswirte, Facharbeiter, Studenten und Kleinunternehmer tummeln, die zwischen Montag und Freitag einem geregelten Job nachgehen und die am Wochenende in der Gruppe »die Sau rauslassen« - modisch gekleidete Freizeit-Terroristen.

Für sie ist ein Krawallwochenende das, was für andere ein Weekend an der See ist - eine kleine Erholung. Wie Pauschalreisende tragen sie Pocketkameras mit sich. Doch Erinnerungsbilder knipsen sie nicht von Sehenswürdigkeiten, sondern von Straßenschlachten.

Den vier mutmaßlichen Haupttätern, die Daniel Nivel bleibende Gehirnschäden zufügten, wurden die Schnappschüsse zum Verhängnis - die Ermittler der Soko »Lens« kamen ihnen anhand Hunderter Fotos aus der Hooliganszene auf die Spur.

Die Anklage wird vermutlich von der Staatsanwaltschaft in Essen erhoben - zwei der vier des versuchten Mordes verdächtige Hooligans kommen aus der Nachbarstadt Gelsenkirchen.

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