Raketenabwehr Teures Defizit
Das Bonner Verteidigungsministerium hat eine neue »Ausrüstungslücke« entdeckt, die der Rüstungsindustrie lukrative Aufträge einbringen soll. Nach einem vertraulichen Bericht für den Verteidigungsausschuß sind Bundeswehr und Nato nicht in der Lage, Raketen und Marschflugkörper abzuwehren. Dieses »Defizit« in der Luftverteidigung, so die Autoren, müsse nun »mit hoher Priorität« und Milliarden-Aufwand beseitigt werden.
Als Gefahrenherde gelten den Rüstungsplanern die »an Europa grenzenden Krisenregionen«. Gemeint sind Länder wie Libyen, Irak und Iran. Dort werde »auf dem Weltmarkt verfügbare Technologie zunehmend zur Entwicklung und Beschaffung« von Raketen und Marschflugkörpern genutzt. Das bedeute »Risiken« für deutsche Truppen bei Out-of-area-Einsätzen und, so die Horrorvision der Aufrüster, »zumindest mittel- bis langfristig für Deutschland selbst«.
Schon in dreieinhalb Jahren müsse die Nato ihr Radar-Frühwarnsystem deshalb so ausbauen, daß es auch Raketen erfassen kann. Die Luftwaffe solle neue mobile Radargeräte kaufen, ihre »Patriot«-Raketen modernisieren. Außerdem will sie von 2005 an ihre veralteten »Hawk«-Raketen ersetzen.
Zumindest damit haben die Bonner ein Problem: Frankreich und Italien überlegen, ob sie sich aus dem 1995 mit Deutschland und den USA vereinbarten Nachfolgesystem zurückziehen sollen - aus Geldmangel.