Teures Gift - DER SPIEGEL
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PESTIZIDE Teures Gift

• aus DER SPIEGEL 5/1998
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Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft verursacht jedes Jahr volkswirtschaftliche Kosten von mindestens 250 bis 300 Millionen Mark - allein in Westdeutschland. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des hannoverschen Agrarwissenschaftlers Hermann Waibel, die Landwirtschaftsminister Jochen Borchert bisher unter Verschluß gehalten hat. Danach werden in der Bundesrepublik Jahr für Jahr rund 30 000 Tonnen Pestizide gegen Unkraut, Pilze und Insekten versprüht.

Die Folgen: Hohe Kosten für die Trinkwasseraufbereitung und die Überwachung von Lebensmitteln durch Behörden. Zudem führen Vergiftungen zu hohen Behandlungs- und Krankenhauskosten sowie zu Arbeitsausfällen. Laut Waibel sind die Zahlen lediglich »untere Schwellenwerte«. Die »tatsächlichen Kosten«, urteilt der Wissenschaftler, »liegen deutlich« höher. Nicht berücksichtigt seien vor allem »chronische Erkrankungen« - einige Pestizidwirkstoffe gelten als krebserregend. Auch in Deutschland seien die Mittel »Lindan« und »Amitrol« - mit Anwendungsbeschränkungen - weiterhin zugelassen, obwohl sie sich als krebserregend erwiesen hätten.

Während die Schäden von der Allgemeinheit getragen werden, erzielt die Landwirtschaft einen Nutzen von 1,15 Milliarden Mark im Jahr. Daher rät Waibel, die Pflanzenschutzpolitik »grundsätzlich zu überdenken«. Auch Ulf Jacob, Pestizidexperte der Umweltstiftung WWF-Deutschland, fordert von Borchert eine »Neuorientierung«.

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