TEXTANALYSE - DER SPIEGEL
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Briefe

TEXTANALYSE
• aus DER SPIEGEL 11/1967
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TEXTANALYSE

(Nr. 10/1967, Atom-Sperrvertrag)

Ihre psychoanalytische Deutung meiner Stellungnahme zum Atomsperrvertrag ("Nato-Botschafter Wilhelm Grewe, der weder das ihm zugefügte Leid am Hofe Kennedys noch seine vergebliche Mühe um die MLF vergessen kann, schlug den ersten Funken ...") ist verfehlt. Sie ist auch in sich unschlüssig: Das MLF-Projekt ist der Bundesregierung bekanntlich gerade von der Kennedy-Regierung empfohlen worden. Rache an Kennedy (?) durch Mitarbeit an seiner Politik? Merkwürdige Logik.

Darf ich empfehlen, den Text meines Vortrages wirklich zu lesen? Dort (Europa-Archiv 3/1967, Seite 91/92) steht in der Tat, daß Nationen ohne eigene Kernwaffen künftig kaum in der Lage sein werden, die Rolle einer Großmacht zu spielen. Halten Sie diese Feststellung etwa für falsch oder ist es anrüchig, das Wort »Großmacht« überhaupt in den Mund zu nehmen? Von Deutschland war jedenfalls nicht die Rede. Es gehört ziemlich viel Voreingenommenheft dazu, aus dem Text herauszulesen, daß ich ein für uns ebenso töricht wie irreal gewordenes Großmachtstreben zum Maßstab für die Bewertung des Atomsperrvertrages machen wollte. Kurz, Sie haben nicht gerade fair zitiert.

Im übrigen teile ich Ihre Abneigung gegen eine exzessive Kritik, die uns nur schaden konnte. Was ich (als persönliche und als solche ausdrücklich gekennzeichnete Ansichten eines Staatsbürgers) geäußert habe, war weder exzessiv noch »drastisch«. Für übertreibende und dramatisierende Überschriften, mit denen man ohne mein Wissen den Nachdruck von Textauszügen versah, kann ich keine Verantwortung übernehmen.

Paris WILHELM G. GREWE

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