Theorie - DER SPIEGEL
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Theorie

• aus DER SPIEGEL 17/1954
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Unter der Führung der Zeitschrift »Kommunist«, des Organs des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjet-Union, hat die sowjetische Presse begonnen, die Vererbungs-Theorie des seinerzeit von Stalin favorisierten Leiters der Akademie für Agrarwissenschaft, Professor Trofim D. Lyssenko, kritisch zu untersuchen.

In Praktizierung seiner Theorie, deren Kern die These ist, durch Umwelteinflüsse erworbene Eigenschaften seien erblich, hat die sowjetische Landwirtschaft das ihr auferlegte Soll eingestandenermaßen nicht erfüllt. Um das tägliche Brot zu mehren und zu verbilligen, hat der Kreml eine »Getreideschlacht« befohlen mit dem Ziel, die Jahresernte bis 1955 um 50 Millionen Tonnen auf 180 Millionen Tonnen zu steigern. Da dieses Ziel voraussichtlich nicht zu erreichen sein wird, nehmen westliche Rußland-Kenner an, daß die plötzlich aufgeflammte Pressekritik an Professor Lyssenko nichts anderes ist als die vorsorgliche Nominierung eines Sündenbocks.

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