Theorie und Praxis
(Nr. 52/1972, SPIEGEL-Gespräch mit Pfarrer Trommershäuser)
Die evangelische Kirche Hessens hat sich dadurch, daß sie Trommershäuser versetzte, keinen guten Dienst getan. Es entsteht so die Meinung, daß solch ein Mann zwar nicht die Befähigung zur Leitung einer Gemeinde hat, aber immerhin tauglich sei zum Seelsorger an einer Klinik.
Stuttgart HARTMUT STEEB
Sie haben offenbar einem Mann geholfen, bekannt zu werden, der es nicht verdient. Ein von Geltungssucht Getriebener, der weder vom Christentum noch vom Kommunismus etwas versteht!
Memmingen (Bayern) H. ERNST
Bucharin, seinerzeit »Prawda«-Chefredakteur und Intimus Lenins, läßt schön grüßen: »Manche schwachen Kommunisten denken folgendermaßen: »Die Religion hindert mich nicht, Kommunist zu sein; ich glaube in gleicher Weise sowohl an Gott als auch an den Kommunismus ...' Ein solches Denken ist von Grund auf falsch! Die Religion ist mit dem Kommunismus weder theoretisch noch praktisch vereinbar ... Der wissenschaftliche Kommunismus stützt sich bei seiner Beurteilung aller Naturerscheinungen auf die Ergebnisse der Naturwissenschaften, die sich in unversöhnlicher Feindschaft mit allen religiösen Dichtungen befinden.«
Koblenz A. MÜLLER
Das Vorgehen der hessischen Landeskirchenleitung gegen Pfarrer Trommershäuser, das ganz offensichtlich im Zusammenhang mit den undemokratischen Berufsverboten gegen kommunistische und andere demokratische Persönlichkeiten durch staatliche Stellen gesehen werden muß, verurteile ich auf das schärfste. Es steht im Widerspruch zum Evangelium und ähnelt in fataler Weise dem Vorgehen, das einmal durch die Barmer Theologische Erklärung von 1934 (These IV: »Die verschiedenen Ämter in der Kirche begründen keine Herrschaft der einen über die anderen, sondern die Ausübung des der ganzen Gemeinde anvertrauten und befohlenen Dienstes«; vergleiche dazu auch Ernst Wolf, Barmen, Kirche zwischen Versuchung und Gnade, S. 131 ff) abgewehrt worden war. Wenn heute mehr und mehr Christen mit Mitgliedern der DKP gemeinsam für die Sicherung des Friedens (zum Beispiel damals für die Ratifizierung der Ostverträge oder jetzt für die sofortige Beendigung der barbarischen US-Aggression in Indochina) und für soziale Gerechtigkeit eintreten, so ist das nicht nur eine gute, sondern auch eine notwendige Sache. Die Mitgliedschaft in der DKP ist eine durchaus vertretbare Konsequenz des christlichen Glaubens.
Gelsenkirchen SIMON-PETER GERLACH
Pfarrer
Sehr gut fand ich es, daß hier einmal die Problematik aufgezeigt wurde, in der Theologen sind, die aufgrund des Evangeliums die Notwendigkeit der Humanisierung und Veränderung der Gesellschaft, der Emanzipation des Menschen und der Chancengleichheit für alle erfahren beziehungsweise einsehen und sich gerade als Christen in dieser Richtung engagieren müssen. München HANS H. RENNER
Besäße Herr Rolf Trommershäuser Rang und Namen wie Herr Niemöller, er würde von seiner Kirche nicht so diskriminiert; außer dem Leninorden bekäme er vielleicht von der Kirche noch einen goldenen Orden.
Erlangen GERD-MICHAEL VOIGT