Thomas - DER SPIEGEL
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Thomas

• aus DER SPIEGEL 29/1949
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In Deutschland will Thomas Mann, wenn er denn endlich noch in diesem Sommer nach Frankfurt, Nürnberg und Weimar kommt, andere Reden halten, als er sie in England, in Skandinavien und in der Schweiz bisher hielt. Auch »draußen« sprach er über Goethe. Aber er begnügte sich nicht mit deutenden Worten über den Dichter, sondern zog ihn in Vergleiche mit Luther und Bismarck, deren sublimste und humanisierteste Abwandlung er Goethe nannte. Luther hingegen war ihm »ein Mönch«, der sich in einer dauernden Balgerei mit dem Teufel befindet und tief im Aberglauben an Dämonen steckt«. Ein »stiernackiger Gottesbarbar«, der »sein Volk zur Untertänigkeit erzog, der eine gottgewollte Obrigkeit errichtete, der dazu aufforderte, die aufständischen Bauern zu stechen, zu schlagen und zu würgen, ein Mann, der aus der Kirche nur austritt, um eine Gegenkirche mit Gegendogmen und einer neuen priesterlichen Scholastik zu errichten, ein antirömischer und antieuropäischer Orthodoxer«. Ganz ähnlich erscheint dem Emigranten Thomas Mann Bismarck als die »Ausgeburt rückschlägiger Bärenkraft«, dessen Erfolge einem »ausgepichten Macchiavellismus« entspringen. Bischof Liljes »Sonntagsblatt', das diese Zitate aus einer Kopenhagener Mann-Rede bringt, schließt mit der Erkenntnis: »Nicht wir sind es, die von Thomas Mann lernen können. Sondern er ist es, der in aller Bescheidenheit schweigen sollte, wenn ihm das möglich ist.«

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