Thomas Ebermann, 45,
ehemaliges Mitglied des Kommunistischen Bundes, dann Bundestagsabgeordneter der Grünen, schließlich Privatier und Publizist, erwehrt sich mit Ironie einer Ehre, die ihm auch andere nicht gönnen. Ebermann ist, auf Vorschlag von Hamburger Grünen, zum ehrenamtlichen Richter beim Hamburger Oberverwaltungsgericht bestellt worden. Die Hamburger Morgenpost hatte getitelt »Ein Radikaler wird Richter«. Ebermann selbst gibt sich in einem offenen Brief an den Oberverwaltungsgerichtspräsidenten in dem Stadtmagazin Szene Hamburg redlich Mühe mit dem »Problem, wie ich den Posten wieder loswerden kann«. Als Ablehnungsgründe zählt er unter anderem auf: Er sei vorgeschlagen worden, weil Grüne »die CDU ärgern« wollten und weil er einen gewissen »Unterhaltungswert« garantiere, außerdem sei doch bekannt, daß er nicht, wie im Merkblatt für ehrenamtliche Richter gefordert, »auf dem Grundgesetz« stehe, »sowenig wie ich von den übrigen Gesetzen eine gute Meinung habe«. Er müßte also »einen Meineid schwören, damit ich eine Position bekleiden kann, die ich ja gerade nicht anstrebe«. Kurzum, der Herr Präsident möge doch einfach anerkennen: »Ich wurde aus niederen Beweggründen vorgeschlagen, versehentlich bestätigt, bin ziemlich ungeeignet, zumindest aber ein Härtefall.« Ebermann: »Und darum entbinden Sie mich.«