THOMAS MANN - DER SPIEGEL
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Briefe

THOMAS MANN
• aus DER SPIEGEL 48/1953
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THOMAS MANN

So sehr ich auch Ihre Zeitschrift als das, was sie sein will, nämlich als Nachrichtenmagazin und gelegentlich auch in kulturkritischer Hinsicht schätze, empfinde ich doch angesichts der Besprechung von Thomas Manns »Die Betrogene« das Bedürfnis, eine Kritik der Kritik anzumelden.

Ihr ... Satz, dies Buch »als Kunstwerk zu nehmen, verbietet der Respekt vor Thomas Mann«, hatte die Reklamewirkung, daß ich, der seit Jahren nichts mehr von diesem Autor gelesen hatte, mir das Bändchen anschaffte. Nicht Thomas Manns Erzählung, sondern Ihre Kritik ist »degoutant«, zu deutsch geschmacklos. Weder die eine noch die andere der von Ihnen ausgefundenen Deutungen »bietet sich an« ... Nicht immer trifft die Forsche, welche dem SPIEGEL oft zur Ehre gereicht. Die Novelle ist ein Zeugnis jener schmerzlichen Ironie, welche die Grundanlage der Thomas Mannschen Persönlichkeit ausmacht und die den Humanismus aus sich gebiert. Diese geistige Haltung, welche von Ihnen als »Satire« ausgelegt wird, adelt den Autor und sein Werk ... Es kann keine Frage sein, daß Thomas Manns Novelle durch die Kultur der Sprache, die Dezenz der Darstellung und die Nähe des Geschehens ein Kunstwerk von Rang ist.

Berlin Wolfgang Hennig

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