THOMAS MANN
(Nr. 52/1954, Dichtung, und Nr. 3/1955, Briefe)
... wird ausgeführt, daß das Motiv zur Selbstinfizierung aus Nietzsches Leben genommen sei ... Wenig bekannt ist, daß auch Nietzsches Vater einer Geisteskrankheit erlag und damit gewisse Vererbungsgrundlagen bei seinem Sohn hinterließ. Diese Tatsache ergibt sich aus folgender Veröffentlichung in Nr. 181 vom 8. August 1849 des »Courier, Hallesche Zeitung für Stadt und Land":
Todesanzeige
Am 30. Juli starb mein lieber Sohn, der Pfarrer Karl Ludwig Nietzsche zu Röcken im 36 Jahre seines Lebens nach elfmonatlichen schweren Leiden an einer teilweisen Erweichung des Gehirns. Wir beugen uns in stiller Ergebung vor dem unerforschlichen Ratschluß unseres gütigen Vaters im Himmel ... Seinem hohen Gönner und seinen zahlreichen teuren Freunden und Bekannten bringe ich zugleich mit der tief gebeugten Gattin und den drei Kindern des Vollendeten unseren herzlichsten Dank für die Güte und das Wohlwollen, womit sie den Seligen im Leben schon beglückten ... Diesen tief gefühlten Dank bringen wir auch allen Gliedern seiner lieben Gemeinde zu Röcken, Bothfeld und Michlitz, sowie den Herren Lehrern für die erhebenden Gesänge am Sarge und Grabe des Vollendeten.
Röcken bei Lützen, den 6. August 1849
Erdmuthe, verw. Superintendent Nietzsche Franziska Nietzsche, geborene Oehler als Gattin.
Kiel
EWALD LOTZING Ernanntes Mitglied des Sächsisch-Thüringischen Geschichtsvereins.