Tiefe Abscheu - DER SPIEGEL
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Briefe

Tiefe Abscheu
• aus DER SPIEGEL 17/2007
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Tiefe Abscheu

Nr. 15/2007, Bautechnik: Hightech und Handwerkskunst - der schwierige Wiederaufbau der deutschen Stadtschlösser

Das Rekonstruktionsfieber kann den über lange Zeit entwickelten Denkmalbegriff, der auf Bewahren ausgerichtet ist, beschädigen: Bauten, die schon seit 50 Jahren verschwunden waren, können scheinbar einfach wiedergewonnen werden, noch dazu in pflegeleichter, meist geglätteter Form und für den Kommerz umgenutzt. Ein gefährlicher Anreiz, auch bestehende denkmalgeschützte Bauten zu opfern und sie danach ohne Altersspuren und talmiglänzend »besser denn je« wiederzuerrichten. Was zählt, ist dann nur noch die oberflächliche Ähnlichkeit als hübsche Kulisse: Denkmalbau à la carte.

AUGSBURG GREGOR NAGLER

Die Rekonstruktion einzelner Bauten hat durchaus das Potential für eine Neuerfindung und Weiterentwicklung der Gestaltung von Neubauten. Nichts gegen das Bauhaus, aber der immer gleiche Historismus im Neo-Bauhausstil ist nicht mehr modern oder kreativ, sondern nur noch belanglos. Die Architektur der Gegenwart sollte wieder in einen konstruktiven Dialog mit der Baugeschichte treten und Regeln für die Architektur der Stadt anerkennen.

HAMBURG MARKUS ERICH-DELATTRE

Die Protagonisten der mittlerweile allerorten grassierenden »Rekonstruktitis« legen eine Haltung an den Tag, die Deutschland als Kulturnation schlimmen Schaden zufügt: Nicht nur wegen der Reduktion auf schöne Fassaden, sondern weil es sie offenbar nicht im Geringsten berührt, dass gleichzeitig mit dem Argument des fehlenden Geldes so viele Baudenkmale abgerissen werden. Wer sieht, wie mittlerweile im Osten Deutschlands ganze historische Straßenzüge ausradiert werden und im Westen die historischen Bauernhäuser offenbar zum Abschuss freigegeben sind, kann vor Menschen, die sich ihren »preußischen Barock« wieder so zurechtmeißeln, wie er ihrem Geschichtsbild entspricht, nur tiefe Abscheu empfinden, weil sie so einiges zur Abwertung und Preisgabe unseres bis jetzt geretteten originalen baulichen Erbes beitragen.

RECKLINGHAUSEN DR. DIETRICH MASCHMEYER

Der Säulenkult-Artikel ist Balsam für meine Seele. Jahrzehntelange schmucklose nackte Bauhaus-Architektur als Dogma darf ganz vorsichtig in Frage gestellt werden, endlich! »Lochfassaden« als Zeichen der Moderne, allein der Name sagt schon alles. Es war so schön einfach: Die Nazis haben den Bauhaus-Stil verteufelt, also musste nach den Nazis möglichst viel Bauhaus-Stil her, jede Zier ist »Kitsch« und »Schwulst«. Zum Glück gibt es immer mehr Architekten, die sich vom ewigen frechen Mausgrau genauso abwenden wie von den als »mutig« angedienten knalligen Totschlagfarben - und sich hinwenden zu sensiblen Farben.

ROTH (BAYERN) HEINZ LANGE

Wer die Schlossfassade in Braunschweig als Schloss bezeichnet, hält ein Spiegelplakat für den SPIEGEL.

NEU WULMSTORF (NIEDERS.) HENRIK KRUSE

Trotz einer in Braunschweig monopolisierten Presse, die das Einkaufsschloss offenbar aus wirtschaftlichen Gründen schöngeredet hat, ist die Kritik, wie Sie schreiben, auf lokaler Ebene keinesfalls verstummt.

BRAUNSCHWEIG DR. HOLGER PUMP-UHLMANN

Das Bild mit dem Titel »Residenz München« zeigt nicht die Residenz der Wittelsbacher in München. Abgebildet ist das ehemalige Bayerische Armeemuseum, das zur Bayerischen Staatskanzlei umgebaut wurde. Das Armeemuseum war zwar in der Nähe der Residenz, aber kein Teil davon. Die Anlagen davor sind allerdings der Hofgarten.

MARKTBREIT (BAYERN) VALENTIN BENKERT

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