Hausmitteilung Titel / illegale Einwanderer / Ungarn
Jung, Weidermann
Foto: Iris Carstensen / DER SPIEGEL; H. Manhartsberger / DER SPIEGELIn der Nacht von Dienstag auf Mittwoch beginnt nicht nur ein neues Jahr, sondern auch ein neues Jahrzehnt, die Zwanzigerjahre. Es ist ein Name, der Erinnerungen weckt an angeblich goldene Zeiten, an wilde Nächte, an den Tanz auf dem Vulkan. Was werden die neuen Zwanziger den Deutschen bringen? Welche Veränderungen, welche Zumutungen hält dieses Jahrzehnt für uns bereit? Ein Team um SPIEGEL-Redakteur Alexander Jung stellt in der Titelgeschichte elf Prognosen zum Leben in einem Deutschland auf, das rasant altern, intensiv um Arbeitskräfte werben wird und in dem die digitale Technik sowie die Rückkehr der Inflation den Alltag verändern werden. Ergänzt wird der Titel durch einen Essay und durch eine Umfrage von SPIEGEL-Autor Volker Weidermann, der deutschsprachige Schriftsteller nach ihren Visionen für die Zukunft befragt hat. Weidermann hatte dabei auch ein altes rororo-Taschenbuch im Sinn, 1961 erschienen, es trägt den Titel »Die Alternative oder Brauchen wir eine neue Regierung?«. Der damals 34-jährige Martin Walser hatte den Band herausgegeben. Als Weidermann den inzwischen 92-Jährigen nun um einen neuen Text bat und dabei an das alte Bändchen erinnerte, machte sich Walser sogleich in seinem Haus am Bodensee auf die Suche. Und meldete wenig später per Mail, dass er es leider nicht mehr finden könne. Aber er hat – wie viele andere Autorinnen und Autoren – einen neuen Text geschickt. Zukunft, so scheint es, ist für Walser nun Abschiednehmen. »Lösche das Licht in dir, mach der Schwärze Platz, den Wörtern kündige, sie haben nichts genützt«, hatte er noch dazugeschrieben. zum Artikel
Als SPIEGEL-Redakteurin Katrin Kuntz das erste Mal durch die Straßen von Canton in Mississippi fuhr, war sie erstaunt, wie leer die Viertel wirkten, in denen Einwanderer aus Lateinamerika leben: Kaum jemand wagte sich auf die Straße. Der Grund war eine Razzia der Migrationspolizei, die größte, die jemals innerhalb eines Bundesstaats stattgefunden hat, 680 illegal eingewanderte Arbeiter wurden festgenommen. »Sie hatten sich sicher gefühlt«, sagt Kuntz, »immerhin wurden die meisten seit zehn Jahren im Land geduldet, weil sie Jobs erledigen, die kaum jemand machen will.« Kuntz traf während ihrer Recherchen auch den Einsatzleiter der US-Einwanderungsbehörde, der die Schuld für die aktuelle Situation bei den Abgeordneten und Senatoren in Washington sieht: »Der Kongress hatte jahrzehntelang Zeit, die Einwanderungsgesetze zu ändern. Nichts ist passiert. Jetzt tue ich nur das, was man von mir verlangt.« zum Artikel
Viktor Orbán hat Ungarn in ein Labor des Populismus verwandelt, aus einer postsozialistischen Gesellschaft soll wieder ein Volk werden, eines nach seinem Geschmack. Die SPIEGEL-Redakteure Timofey Neshitov und Jan Puhl beobachteten ein Jahr lang in der Stadt Szombathely, was einem Lokalpolitiker passiert, wenn er sich vom System Orbán abwendet. Der abtrünnige Vizebürgermeister Miklos Molnár sagt, er sei kaltgestellt worden wie im Kommunismus. Nach langem Zögern sprach auch Orbáns Mann in Szombathely, Ex-Verteidigungsminister Csaba Hende, mit dem SPIEGEL. »Man kann gegen Orbán eine Lokalwahl gewinnen«, sagt Neshitov, »aber Orbán scheint auch solche Niederlagen einkalkuliert zu haben.« zum Artikel