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Hausmitteilung Titel / Sarrazin / Moltke

• aus DER SPIEGEL 51/2010
Zand in Mekka
Zand in Mekka

Zand in Mekka

Foto: Der Spiegel
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Mekka, der Mittelpunkt des islamischen Universums, entspricht auf den ersten Blick nicht den Erwartungen an eine heilige Stadt. Die Metropole wird dominiert von Wolkenkratzern, Einkaufszentren, Menschenmassen und Baustellen. Für die fast anderthalb Milliarden Muslime auf der Erde aber hat die Geburtsstadt des Propheten trotz ihrer Hektik mythische Bedeutung. Wer gesund ist und es sich leisten kann, muss einmal im Leben auf Pilgerfahrt nach Mekka gehen. Und er muss die Kaaba umrunden, den von schwarzen Tüchern umhüllten Kubus, den der Patriarch Abraham errichtet haben soll. Titelautor Bernhard Zand, 43, selbst Muslim, seit er eine Muslimin geheiratet hat, beschreibt am Beispiel Mekkas die Widersprüche einer Religion, deren Bild zurzeit von gewaltbereiten Dschihadisten geprägt wird, die sich gleichzeitig aber in rasendem Tempo verändert. Viele junge Muslime, so Zand, seien »ihr Stigma im Westen ebenso leid wie den Terror, dem sie dieses Stigma verdanken« (Seite 88).

Scharf war die Kritik der Eliten, als Thilo Sarrazin, 65, Ende August sein Buch »Deutschland schafft sich ab« veröffentlichte. Er verlor seinen Vorstandsjob bei der Bundesbank, und seine Partei, die SPD, leitete ein Ausschlussverfahren ein - in Umfragen aber fand er auch viel Zustimmung. Seit das umstrittene Buch erschienen ist, das Sarrazin Einnahmen in Millionenhöhe bescherte, hat SPIEGEL-Autor Jan Fleischhauer, 48, regen Kontakt mit ihm gehalten. Der frühere Berliner Finanzsenator verheimlichte nicht, wie sehr ihm die Kritik anfangs zusetzte und ihn unter Schlafstörungen und Appetitlosigkeit leiden ließ. Fleischhauer erfuhr auch, welche Verachtung Sarrazin inzwischen für seine Kritiker empfindet, und gewann Einblicke in das Seelenleben des Bestsellerautors. »Seine Auseinandersetzung mit den in Deutschland lebenden Muslimen trägt die Züge einer Obsession«, sagt der SPIEGEL-Mann, »es scheint für ihn nur noch dieses eine Thema zu geben« (Seite 40).

Die 184 Briefe, die SPIEGEL-Redakteurin Susanne Beyer, 41, sichtete und für diese Ausgabe auswertete, sind erschütternde Dokumente des Aufbegehrens gegen Hitler-Deutschland und Zeugnisse einer großen Liebe: Häufig, mitunter sogar mehrmals am Tag, hatten der Widerstandskämpfer Helmuth James Graf von Moltke und seine Frau Freya einander geschrieben, bevor er im Januar 1945 von den Nazis gehängt wurde. Freya von Moltke war 1960 in die USA ausgewandert und hatte in ihrem Haus in Norwich im US-Staat Vermont die Briefe aus den letzten vier Monaten vor der Hinrichtung unter Verschluss gehalten. Sie starb Anfang des Jahres im Alter von 98 Jahren und hatte verfügt, dass der Briefwechsel ein Jahr nach ihrem Tod veröffentlicht werden darf. In Norwich traf Beyer Helmuth Caspar von Moltke, 73. Der einzige noch lebende Sohn der Familie erzählte ihr, wie allgegenwärtig die Erinnerung an seinen Vater war. Seine Mutter sei zwar eine neue Beziehung eingegangen, aber sie habe »auch immer gesagt, dass sie mit meinem Vater nach seiner Hinrichtung einfach weitergelebt hat« (Seite 138).

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