Hausmitteilung Titel / Berateraffäre / SPIEGEL WISSEN
Winter in Erfurt
In einem Häuschen im Thüringer Wald empfing der ehemalige Ministerpräsident Bodo Ramelow den SPIEGEL-Redakteur Steffen Winter, es war Mittwoch Abend, die gescheiterte Wiederwahl erst wenige Stunden her. Ramelow saß mit seiner Frau am Kaminfeuer beim Rosé und besprach das Debakel im Thüringer Landtag. Dass nicht er gewählt worden war, sondern der FDP-Mann Thomas Kemmerich mit den Stimmen von AfD und CDU – dieses Ergebnis hatte ihn kalt erwischt. Ramelow wirkte angefasst, entgegen seiner Gewohnheit hielt er sich auf Twitter zurück, reagierte nicht auf Anrufe. Er habe sofort sein Büro ausgeräumt, erzählte er, und wolle nun für ein paar Tage seine Ruhe haben. Er brauche »Luft zum Atmen«. Winter, der ihn seit mehr als 25 Jahren kennt, erlebte einen Linkenpolitiker, der »wütend war und enttäuscht, weil er mit diesem Ausgang überhaupt nicht gerechnet hatte«. Verzagt gab sich Ramelow trotzdem nicht: Er werde »weiter für ein weltoffenes Land kämpfen«. zum Artikel
In der Politik ist es in Mode gekommen, Arbeit an externe Beraterfirmen auszulagern. Dass dabei nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht, zeigte sich zuletzt im Verteidigungsministerium. Der Bundesrechnungshof berichtete 2018 über illegale Aufträge an Consultingfirmen, die SPIEGEL-Redakteure Matthias Gebauer und Sven Becker deckten Fälle von Vetternwirtschaft auf. Ex-Ministerin Ursula von der Leyen ist als Kommissionspräsidentin nach Brüssel weitergezogen, doch in der kommenden Woche wird sie von der Affäre eingeholt. Sie muss vor dem Untersuchungsausschuss im Bundestag aussagen – ein guter Anlass, die Hintergründe der Berateraffäre zu durchleuchten. Der Skandal wurde durch Hinweisgeber aus dem Apparat offenbar; auch die SPIEGEL-Redaktion bekam Briefe von Menschen mit seltsamen Namen wie »Fritz Zeuge« aus der »Bürgerstraße«. Gebauer, Becker und Marcel Rosenbach folgten den Spuren zu einer Tochterfirma des Verteidigungsministeriums in Meckenheim bei Bonn, wo die Unregelmäßigkeiten zuerst ans Licht kamen. Das Fazit der Rechercheure: Mitarbeiter haben durch die Hinweise ihre berufliche Zukunft riskiert. Ohne sie wären die unsauberen Praktiken sicher unter den Teppich gekehrt worden. zum Artikel
Wenige Sekunden reichen für den ersten Eindruck, den man sich von einem Unbekannten verschafft. Herzlich, schüchtern, ehrlich, berechnend – schnell wird der Fremde eingeordnet, schwer ist es, solche Zuschreibungen wieder zu ändern, wenn sie falsch sind. Wie man tatsächlich hinter Fassaden blicken kann, davon handelt die neue Ausgabe »Menschenkenntnis« von SPIEGEL WISSEN. Erstaunlich oft, erfuhr Heftredakteurin Sandra Schulz, lässt sich der Mensch von Fehlschlüssen leiten. »Wir sollten also nicht so sehr anderen misstrauen – sondern unserem Urteil über sie«, sagt Schulz. Um versteckte Wahrheiten geht es auch im neuen Heft von »Dein SPIEGEL«. Viele Kinder essen gern Hähnchen-Nuggets oder Salamipizza, sie wüssten aber gern, woher das Fleisch kommt und wie die Tiere behandelt werden. Wie es in den meisten Ställen aussieht und was sich verbessern müsste, damit beschäftigt sich die neue Ausgabe des Magazins für Kinder. Außerdem: Kinderreporter befragen Luisa Neubauer von »Fridays for Future«. Die beiden Hefte sind ab Dienstag im Handel erhältlich.