Hausmitteilung Titel / Essen und Trinken / Meese
Fichtner, Franzen, Schmitz
Der Jubel in der Welt war groß, als mit Barack Obama 2009 erstmals ein Schwarzer als Präsident der USA vereidigt wurde - und auch der SPIEGEL erhoffte sich ein friedfertiges, liberales, sozial gerechtes Amerika. Um Obamas Arbeit zu bilanzieren, sprachen die SPIEGEL-Korrespondenten in New York und Washington, Ullrich Fichtner, 47, Marc Hujer, 43, und Gregor Peter Schmitz, 37, jetzt mit Politikern und Lobbyisten, mit Künstlern, Rentnern und Kellnerinnen. Fünf Monate vor der nächsten Präsidentschaftswahl erkennen die Journalisten einige Erfolge, aber viele Probleme. Die Politik ist blockiert, die Gesellschaft gespalten, Obama hat das Land nicht geeint - und Wahlversprechen wie die Schließung des Gefangenenlagers in Guantanamo nicht gehalten. Einer seiner Wähler, der Autor Jonathan Franzen, sagte den SPIEGEL-Leuten, die Politik in den USA sei »toxisch« geworden: »Die normalen Leute wenden sich angewidert ab« (zum Artikel ).
Spötter sprechen von der Glutamatküche, wenn sie über chinesische Restaurants in Deutschland urteilen: ideenloser Einheitsgeschmack, fast überall. SPIEGEL-Redakteurin Susanne Beyer, 42, aber erlebte die Vielfalt, die in den Töpfen zwischen Peking und Sichuan simmert. Sie ließ sich in China von Marcus Hernig in Restaurants und zu Garküchen führen; der Sinologe und Gourmet ist ein Kenner der Landesküche. Die beiden wählten Zutaten wie Huhn, Fisch oder Wasserpflanzen selbst aus und verkosteten eine halbe Stunde später mit Stäbchen sechs feinste Gänge. »Gewürzt wurde sparsam, die Basis des Geschmacks war der raffiniert zubereitete Fond«, sagt Beyer. Mit einem anderen Vorurteil brach SPIEGEL-Reporterin Barbara Supp, 53, in Griechenland. Den dort produzierten Wein hatte sie als harzig oder süß in Erinnerung - nun erfuhr sie in Thessalien, dass Winzer wie Thanos Karathanos neuerdings höchste Qualität erzeugen. »Die Nachfrage allerdings lahmt, weil sich in dem krisengeschüttelten Land kaum jemand noch guten Wein leisten kann«, sagt Supp (zum Artikel ).
Richard von Weizsäcker und Hape Kerkeling kamen, Joschka Fischer und Charlotte Roche auch: Seit fünf Jahren lädt der SPIEGEL regelmäßig Prominente zu Gesprächen »Live in der Uni«. Kein Gesprächspartner aber suchte so sehr die Provokation wie der Maler, Bildhauer und Performancer Jonathan Meese. Kurz vor der Documenta kritisierte er im Gespräch mit den SPIEGEL-Redakteurinnen Ulrike Knöfel, 43, und Marianne Wellershoff, 49, in Kassel den »Größenwahn in der Kunst«, er drosch auf die Demokratie ein, verdammte den »Furzgrößenwahn des Menschen-Ichs« und bezeichnete sich, nicht allen verständlich, als »versachlichte Diktatur«. Der SPIEGEL dokumentiert das Gespräch in Auszügen (zum Artikel ).