Hausmitteilung Titel / Suhrkamp / Scientology
Neubacher
Am Donnerstag dieser Woche wird der Bundesregierung ein Gutachten übergeben, auf das sie gern verzichten würde. Es beschäftigt sich mit der Energiewende, und es stellt Merkels Koalition ein denkbar schlechtes Zeugnis aus: Die deutsche Energiepolitik belohne ausgerechnet die ineffizientesten Anlagen, sie trage nichts zum Klimaschutz bei, sie gefährde die Stromversorgung und benachteilige die Armen. Warum die Energiewende nicht vorankommt und welche Auswirkungen sie auf den Alltag der Deutschen hat, beschreiben die SPIEGEL-Redakteure Frank Dohmen, Michael Fröhlingsdorf, Alexander Neubacher und Gerald Traufetter in der Titelgeschichte dieser Ausgabe. Während ihrer Recherche suchten sie auch nach einem Modell, das besser funktioniert. Sie fanden es in Schweden, dort geht der Ausbau des Ökostroms schneller voran und ist deutlich billiger (zum Artikel ).
Sylvia Ströher, Mitglied einer einflussreichen Mäzenatenfamilie und einst größte Einzelaktionärin des Wella-Konzerns, will den angeschlagenen Suhrkamp Verlag unterstützen, den Verlag, in dem Paul Celan, Nelly Sachs, Theodor W. Adorno und andere Verfolgte der NS-Diktatur ihre Bücher veröffentlichten. Erst kürzlich hat jedoch der Autor Hans Peter Riegel aufgedeckt, dass die einstigen Wella-Fabrikanten die Nähe zum NS-Regime suchten. Riegel und die SPIEGEL-Redakteurin Ulrike Knöfel haben weitergeforscht und herausgefunden, dass die Unternehmer früher von der Diktatur in hohem Maße profitierten, dass sie eine »Entjudung« des Unternehmens betrieben und an sogenannten Arisierungen im besetzten Ausland teilnahmen. Knöfel sichtete alte Dokumente, sprach mit den Nachkommen betroffener jüdischer Unternehmer: »Wella wurde auf unmoralischem Weg zur Weltmarke, die Geschichten der Opfer aber kamen nie ans Licht« (zum Artikel ).
Vor zehn Jahren bat der amerikanische Schriftsteller Lawrence Wright den SPIEGEL um Hilfe bei der Recherche für ein Buch. Es sollte seinen Landsleuten in den USA erklären, wie es zu den Terroranschlägen am 11. September 2001 kommen konnte, und Wright hoffte, dass ihm der SPIEGEL helfen würde bei der Rekonstruktion der Anschlagsvorbereitungen in Hamburg. Eine Woche lang zeigte ihm SPIEGEL-Redakteurin Cordula Meyer jene Orte, an denen die Todespiloten gewohnt, studiert und gebetet hatten. Vier Jahre später konnte sie Wright zu dem Pulitzer-Preis gratulieren, den er gewonnen hatte. Nun trafen sich Wright und Meyer wieder, um über Wrights neues Buch zu sprechen. Es trägt den Titel »Im Gefängnis des Glaubens« und beschäftigt sich mit der amerikanischen Scientology-Organisation. Wrights Buch ist erstaunlich moderat, im Gespräch mit Meyer sagt der Autor, dass es ihm nicht darum gehe, Scientology einfach nur zu verdammen, er wolle stattdessen verstehen, aus welchen Gründen sich kluge Menschen einer solchen Organisation anschließen und warum gute Leute immer wieder Böses tun (zum Artikel ).