Hausmitteilung Titel / Krim-Krise / Carl Andre
Höflinger, Bethge
Foto: Matthias Thoelen / Der SpiegelWer als Journalist über Substanzen schreibt, die Leidenschaft befeuern sollen, kommt um einen Selbstversuch nicht herum. Also bestellte SPIEGEL-Redakteurin Rafaela von Bredow im Internet »Liquid Trust«, ein Spray, das den Botenstoff Oxytocin enthält. Die Fragen, die Bredow, Laura Höflinger und Philip Bethge in der Titelgeschichte stellen, sind groß: Wollen wir Medikamente, die das Verlieben erleichtern? Oder verliert die Liebe ihren Zauber, wenn wir sie mit Nasenspray manipulieren? Wie wird es sein, neben einem Partner aufzuwachen, der nur noch daliegt, weil er täglich eine Tablette nimmt? »Die Liebespille wirft ethische Fragen von großer Wucht auf, Fragen, über die wir schon jetzt diskutieren sollten«, sagt Höflinger. Liquid Trust, großzügig in den Redaktionsräumen versprüht, führte zunächst zu Heiterkeit; Verliebtheit verspürte niemand. »So ein Spray kann nicht gut funktionieren, weil Oxytocin ins Gehirn gelangen muss, um wirksam zu sein«, sagt Bethge - der sich sicher ist, dass es der Pharmaindustrie bald gelingen wird, wirksame Liebesdrogen zu entwickeln. Nach dem Versuch ließ Bredow das Mittel auf ihrem Schreibtisch stehen. Am nächsten Tag war es verschwunden. zum Artikel
Anfang März, als Matthias Schepp, Moskau-Korrespondent des SPIEGEL, zuletzt auf die Krim übersetzte, standen Radpanzer und maskierte Elitesoldaten in der Hafenstadt Kertsch; es war die Nacht, in der die meisten der russischen Spezialverbände auf der Halbinsel eintrafen. Damals hatten die Menschen auf der Krim Angst vor einem Krieg. Ganz andere Eindrücke brachte Schepp von seinem jüngsten Besuch auf der Halbinsel mit. Bei den meisten Menschen herrsche »Putinmania«, sagt er. »Sie sehen den russischen Präsidenten als Garanten von Stabilität, als Erlöser.« Schepp beschreibt die Herausforderungen, vor denen Russland nach der Annexion der Krim steht. Am Donnerstag dieser Woche wird Putin die Krim zu einer Sitzung der Staatsduma besuchen, am selben Tag startet SPIEGEL Online Schepps Krim-Tagebuch: acht Folgen insgesamt, mit Filmen und Fotoleisten. zum Artikel
Wie begegnet man einem Mann, dessen Ehefrau vor Jahren aus dem Fenster der gemeinsamen Wohnung im 34. Stock in den Tod stürzte - und dessen Rolle in diesem Drama bis heute Fragen aufwirft? Als SPIEGEL-Redakteur Philipp Oehmke den Künstler Carl Andre in ebenjener New Yorker Wohnung besuchte, traf er einen freundlichen 78-Jährigen, der sich, nach Jahren der Missachtung durch den amerikanischen Kunstbetrieb, gerade über sein spätes Comeback freut. Andre, der in den Sechzigerjahren die Minimal Art miterfand, hatte nach Verhaftung und Prozess geschwiegen; nach zwei Stunden Gespräch über seine Kunst begann er schließlich doch noch über jene Nacht im Jahr 1985 zu sprechen, die sein Leben veränderte. Den bekannten Versionen fügte er eine weitere, neue hinzu. Wie man sich als Reporter dazu verhält? »Es bleibt ein eigenartiges Gefühl«, sagt Oehmke. zum Artikel