Hausmitteilung Titel / Wulff / Japan
In 40 Jahren wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland auf rund 4,4 Millionen Menschen verdoppeln - und die Lebenserwartung der Alten steigt weiter. Titelautorin Katja Thimm, 42, beschreibt, vor welchen Herausforderungen Politik und Gesellschaft stehen, um den Senioren ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen. Am Beispiel ihres Vaters Horst Thimm, 80, der 2005 in ein Heim zog, schildert sie, wie schwer sich die Generation der heute 40- bis 60-Jährigen damit tut, für ihre Eltern zu sorgen. Ein Grund dafür sei, »dass viele von uns ihre Mütter und Väter oft nicht verstehen, weil sie von Kriegserlebnissen und den schweren Jahren des Wiederaufbaus nichts wissen«. Thimm hat zum Titelthema das Buch »Vatertage« im S. Fischer Verlag veröffentlicht (Seite 132).
Der Bundespräsident, glaubt SPIEGEL-Autor Christoph Schwennicke, 45, ist für die Deutschen eine Art Ersatzkönig. Dass Christian Wulff, 51, mit seinem Habitus solchen Erwartungen recht nahe kommt, beobachtete er bei etlichen Auftritten: »Er läuft nicht, er schreitet. Er nickt langsam und kann sogar langsam lächeln.« Was aber hat Wulff in neun Monaten Amtszeit bewirkt? Nicht viel, sagt der SPIEGEL-Mann, »die zündende Idee für seine Präsidentschaft fehlt ihm noch«. Vergangenen Freitag, vor dem Abflug zu einer Dienstreise nach Ungarn, zeigte Wulff ihm auf seinem Handy den Tagesspruch der Fastenzeit. »Jede Arbeit bringt Erfolg, leeres Geschwätz führt nur zu Mangel«, stand da. »Stimmt«, findet Schwennicke, »aber Arbeit ohne sichtbares Ergebnis führt auch zu Mangel« (Seite 26).
Für die SPIEGEL-Chefredaktion ist klar: Redakteure, die in Japan die Folgen der Reaktorkatastrophe recherchieren, sollen sich keinem Gesundheitsrisiko aussetzen. Cordula Meyer, 39, und Walter Mayr, 51, prüften deswegen bei ihrer Fahrt in die Sperrzone um das Atomkraftwerk Fukushima immer wieder die Strahlung. Als Meyer und Fotograf Adam Dean, 33, sich den Meilern bis auf zwölf Kilometer genähert hatten, stieg der Messwert auf 2,5 Mikrosievert pro Stunde an. Der Wert gilt als unbedenklich: Wer sich vier Monate dort aufhalten würde, hätte dieselbe Strahlenbelastung wie ein Patient bei einer Computertomografie des Brustkorbs. Mayr und Fotografin Noriko Hayashi, 27, trafen bei Minamisoma einen Pferdezüchter, der an seine Landsleute appellierte, »gerade jetzt« Gemüse aus der belasteten Region zu kaufen, »aus Solidarität«. Mayrs Kollege Alexander Osang, 48, besuchte ein Flüchtlingslager in Tokio. Glück hatten die SPIEGEL-Leute vorigen Donnerstag, als ein neues schweres Erdbeben auch ihre Hotels erschütterte. Lampenschirme kippten um, aber die Gebäude hielten stand. Meyer stemmte sich während des Bebens, wie ihr geraten worden war, in den Türrahmen zum Flur. Danach setzte sie sich wieder an den Schreibtisch und schrieb ihre Reportage (Seiten 80, 85, 88).