Hausmitteilung Titel / Kinderarbeit / Krieg der Päpste
Zand, Fahrion, Wu
Stellt man sich die globalisierte Welt als Organismus vor, dann ist China sein Herz. Vermeintlich unaufhörlich pulsierend, lässt das Land Ströme von Waren, Kapital, Menschen und Technologie um den Globus zirkulieren. Doch dieses Herz ist nun krank, angegriffen vom neuartigen Coronavirus 2019-nCoV, das innerhalb gerade mal einer Woche nicht nur seinen vermutlichen Ursprungsort, die abgeriegelte Elf-Millionen-Metropole Wuhan, sondern die ganze Volksrepublik, ja Teile der Weltwirtschaft in Schrecken versetzt hat. »Die Epidemie macht sichtbar, wie verletzlich unser vernetztes System ist«, sagt Peking-Korrespondent Bernhard Zand, der die Titelgeschichte zusammen mit Georg Fahrion und der Kollegin Wu Dandan in China recherchierte. Die chinesischen Neujahrsferien, vor allem aber die Sorge vor Ansteckung machten es dem Spiegel-Team schwer. »Peking ist gespenstisch«, sagt Fahrion, »jeder hier sieht zu, dass er soziale Kontakte auf ein Minimum reduziert.« Seit in Bayern vier Mitarbeiter des Autozulieferers Webasto erkrankt sind, fürchten sich auch viele Deutsche vor der Infektionskrankheit. Etliche Epidemiologen hingegen sind geradezu elektrisiert, wie Medizinredakteurin Veronika Hackenbroch erfuhr. »In einem Gespräch war plötzlich ich die Interviewte«, sagt sie, »mein Gesprächspartner wollte von mir alles erfahren, was ich über diese Fälle wusste.« zum Artikel
Stehen auf deutschen Friedhöfen Grabsteine aus Granit, der von indischen Kindern geschlagen wurde? Sind auch indische Teppiche häufig von Kindern oder Jugendlichen geknüpft? Die Journalistin Petra Sorge erhielt 2018 einen Hinweis: Zusammen mit Unicef habe die indische Regierung die Kinderarbeit in der Granitindustrie untersuchen lassen. Tatsächlich waren zwei Berichte erschienen – und sie kamen beide zu demselben Ergebnis: Es gebe keine Kinderarbeit in den Steinbrüchen. Anfang 2019 leugnete dann auch noch eine Studie über die Teppichherstellung die Ausbeutung von Minderjährigen. Sorge war alarmiert. »Aus meinen Recherchen in Rajasthan wusste ich, dass es dort Kinderarbeit gibt«, sagt sie, »wie ausgerechnet Unicef solche Unwahrheiten mitverbreiten konnte, ist mir rätselhaft.« Sorge bat das deutsche Netzwerk Recherche und das indische Magazin »Caravan« um Unterstützung. Was die Journalisten Ankush Kumar, Bhavya Dore und Ajachi Chakrabarti vor Ort fanden, erzählt eine ganz andere Wahrheit. zum Artikel
Es ist ein in der Kirchengeschichte unerhörter Vorgang: Papst Franziskus und sein 2013 zurückgetretener Vorgänger Benedikt XVI. leben beide in der Vatikanstadt, nur ein paar Hundert Meter voneinander entfernt. Und nun sieht es so aus, als hätten sich die zwei Nachfolger des Apostels Petrus auch noch entzweit. Zwischen Franziskus und Benedikt tobe ein »Krieg der Päpste«, titelte die deutsche Presse. Ausgelöst durch einen Buchbeitrag zum Thema »Zölibat« drohe gar eine Kirchenspaltung. SPIEGEL-Autor Walter Mayr traf während seiner Zeit als Korrespondent in Rom beide Päpste persönlich. Nun kehrte er zurück in die heilige Stadt und befragte Kardinäle, Erzbischöfe, Prälaten und Priester, um zu verstehen, was die Affäre wirklich für die tief zerrissene katholische Kirche bedeutet. Sein Eindruck: Für den Altpapst Benedikt, der wohl hinters Licht geführt und gegen Franziskus instrumentalisiert wurde, ist die Angelegenheit ein PR-Debakel – »schlimmer als Waterloo«, wie es jemand aus Benedikts Lager ausdrückt. zum Artikel