Hausmitteilung Titel
Datum: 28. Mai 1984 Betr.: Titel Um acht Uhr morgens am vergangenen Montag stand SPIEGEL-Redakteur Joachim Preuß mit IG-Metall-Chef Hans Mayr und dessen Stellvertreter Franz Steinkühler vor dem Opel-Tor in Rüsselsheim. Er beobachtete den Auftritt des Gewerkschaftsvorsitzenden vor den Streikposten - Augenschein für ein geplantes Mayr-Porträt.
Nicht nur Preuß hatte Fragen, Mayr stellte auch eine an Preuß: »Haben Sie Kinder?« Die Frage wurde bejaht, Mayr versprach ein Geschenk und händigte es dem SPIEGEL-Redakteur später aus: für die zwei Preuß-Kinder sechs Plastikäffchen aus automatisierter, menschliche Arbeitskraft einsparender Produktion.
Tags darauf zeigte Mensch Mayr weiteres Entgegenkommen: Er lud Preuß ein, ihn bei einem Besuch am Krankenbett Eugen Loderers zu begleiten. Im neunten Stock des Frankfurter Nordwest-Krankenhauses, auf Loderers Bettkante, war der SPIEGEL-Mann dabei, als der ehemalige IG-Metall-Vorsitzende, der sich von einem Herzinfarkt erholt, und sein Nachfolger einander Mut zusprachen und anfrotzelten.
Der Preuß-Artikel über Mayr und die Stimmung in der Metaller-Gewerkschaft ("Wir machen klare, saubere Sachen«, Seite 25) ist Teil des Streik-Titelkomplexes dieser SPIEGEL-Nummer, die wiederum unter streikbedingten Schwierigkeiten zustande kam. Die Titelgeschichte des Wirtschaftsressorts (Seite 16) wird außerdem ergänzt durch einen Bericht über mögliche Rationalisierungsfolgen bei VW (Seite 18), einen Kommentar von SPIEGEL-Redakteur Walter Knips über die volkswirtschaftlichen Folgen des Streiks (Seite 22) und kritische Überlegungen Rudolf Augsteins zur Tarifautonomie (Seite 20).