TODESFAHRT
Aus der Tagespresse habe ich erfahren, daß Sie sich mit Einzelheiten des Schiffsuntergangs der »van Imhoff« befaßt haben. Im Juli und August 1944 war ich in Djakarta auf der Insel Java. Dort habe ich Herrn Dr. F. A. Schöppel kennengelernt, von dem ich ein Manuskript seines damals noch nicht veröffentlichten Buches »Fünfzig Jahre in Indonesien« erhielt. Er nahm mir das Versprechen ab, nach meiner Rückkehr nach Deutschland dieses Buch zu veröffentlichen. Bisher habe ich dieses Versprechen nicht eingelöst. Wohl aber habe ich durch Ihre Nachforschungen über den Schiffsuntergang der »van Imhoff« die Anregung erhalten, den beiliegenden Auszug abzutippen und Ihnen zur Verfügung zu stellen:
»Als die Zeit gekommen war, wo die 5000 deutschblütigen Ansiedler an die Engländer ausgeliefert werden sollten, wählten die Holländer eine Route, von der sie annehmen konnten, daß die Japaner das Schiff torpedieren würden. Sie haben die Transporte weder angemeldet, wie es üblich ist, noch sonstwie erkenntlich gemacht und wollten öffenbar die Torpedierung provozieren, um den Japanern nachher die Schuld geben zu können (wie es auch geschah).
Die Räume, in denen die Internierten aufgepfropft waren, waren vergittert, und Rettungsboote wurden nur für die Bewachungsmannschaft und das Schiffspersonal mitgenommen. (Diese wurden in der Tat ohne Ausnahme gerettet.)
Die drei ersten Transporte entgingen der Aufmerksamkeit der Japaner, die natürlich alle holländischen Schiffe torpedierten, die sich auf der See zeigten. Gefangenen-Transporte müssen durch den Rundfunk vorher angemeldet werden. Im vorliegenden Fall war jede Meldung durch den Armee-Kommandanten strengstens verboten.
Von einem Schiff mit Gefangenen darf unter keinen Umständen geschossen werden. Im vorliegenden Fall wurde an die Bewachungsmannschaft speziell dafür Munition verteilt. Aber auch der vierte Transport hätte entkommen können, er war schon weit weg von Sibolga - da fiel es einem der Herren in Batavia ein, daß nun kein einziges Schiff torpediert wurde! Nach Mitteilung von Redakteuren hatte man eine Sensation von der Neuigkeit erwartet, daß ein Schiff mit deutschen Gefangenen von den Japanern selbst in den Grund gebohrt wurde. Eine solche Sensation konnte man sich nicht entschlüpfen lassen. (Tatsache ist, daß derartige Artikel an die Redaktionen bereits verteilt waren.) Und flugs erging per Radio an das schon abgefahrene Schiff der Befehl, nach Sibolga zurückzukehren (um noch 150 Gefangene aufzunehmen). Nun war aber der ursprünglich für 150 Passagiere bestimmte vergitterte Raum bereits mit 350 Passagieren vollgestopft, so daß sich damals schon der Erste Steuermann weigerte, noch mehr Passagiere aufzunehmen.
Das Schiff ('van Imhoff') ging mit 500 Internierten in die See, nachdem es von den Japanern bereits gesichtet war. Noch hätte durch Zeichen die Katastrophe vermieden werden können. Aber was geschah? Kaum zeigte sich der japanische Flieger und schon wurde von der Wachmannschaft, die unter dem Kommando eines holländischen Offiziers stand, eine Salve nach der anderen auf das Flugzeug gelöst, das daraufhin das Schiff torpedierte.
Was nun aber folgte, kann ich nur mit Tränen in den Augen niederschreiben. Sämtliche Rettungsboote - außer einem, das unklar war und auf den Wellen herumtrieb - wurden von dem Schiffspersonal, der Bewachungsmannschaft und den Offizieren besetzt. Den im vergitterten Raum eingekerkerten Internierten wurde verboten, den Raum zu verlassen, mit der Drohung, daß auf jeden geschossen würde ... Vier Stunden wurde das sinkende Wrack mit den 500 Schiffbrüchigen von den bewaffneten Rettungsbooten umkreist, jeden Augenblick bereit, Rettungsversuche zu verhindern.«
Kassel LUDWIG HUFFERT
Ich teile Ihnen mit, daß sowohl mein Bruder Martin als auch ich zu den Überlebenden gehören und im Interesse des Rechts gegebenenfalls bereit sind, als Zeugen gehört zu werden. Ganz eindeutig steht fest, daß sowohl der Kapitän der »van Imhoff« als auch der der »Boelongan« die deutschen Schiffbrüchigen ihrem Schicksal überlassen haben.
Düsseldorf HERBERT TEICHERT
Da ich auf dem Schiff als Wache Dienst getan habe, bin ich bereit, Ihnen meine Aussage zur Verfügung zu stellen.
Uden (Holland) J. C. BAKKER
»von Imhoff«