China Todesstrafe droht
In Geheimprozessen versuchen die chinesischen Justizbehörden derzeit mindestens sieben Regimekritiker drastisch zu bestrafen. Sie gehören einer Gruppe von etwa 30 Dissidenten an, die im vergangenen Sommer von der Staatssicherheit verschleppt worden waren und seitdem als spurlos verschwunden gelten. Zu ihnen gehören die Dissidenten Cheng Wei, 26, und Wang Guoqi, 32, sowie Hu Dunlun, Professor an der Pekinger Fremdsprachenuniversität. Die Mehrzahl der Inhaftierten saß bereits wegen Beteiligung an den blutigen Studentenprotesten vom Frühjahr 1989 in Haft. Sie hatten nach ihrer Freilassung die Warnung der chinesischen Stasi mißachtet, keinen Kontakt mit ausländischen Journalisten mehr aufzunehmen. Zur Abschreckung sollen die Regimekritiker jetzt der »konterrevolutionären Propaganda« und des »versuchten Sturzes der kommunistischen Partei« bezichtigt werden - Delikte, bei denen die Todesstrafe droht. Sämtliche Prozeßbeteiligten wurden streng ermahnt, von den geheimen Verfahren in der Untersuchungshaftanstalt Banbuqiao nichts an die Öffentlichkeit dringen zu lassen. Die Behörden befürchten, die Bewerbung Pekings um die Austragung der olympischen Sommerspiele im Jahre 2000, über die das IOC in Monaco am 23. September entscheidet, könnte dadurch Schaden nehmen.