RUSSLAND Tödliche Pannen
Nach dem Untergang des Atom-U-Boots K-159 mit neun Toten häufen sich wieder einmal Zweifel an den Erklärungsversuchen der Militärführung. Dass ein »Sturm« Ursache der Katastrophe war, glaubt inzwischen kaum noch jemand. Laut einer Quelle im Flottenstab drang Wasser durch ein Leck im Bereich der Schiffsschraube ein und brachte das völlig manövrierunfähige Boot zum Kentern. Die Flottenführung hätte den »eisernen Sarg« nie auf eine solche Reise schicken dürfen, kritisiert ein Konteradmiral a. D. Statt selbst Verantwortung zu übernehmen, suchen die führenden Militärs gern nach Bauernopfern - oder versuchen, Unfälle gänzlich zu vertuschen. Unbekannt ist deshalb weitgehend jene Serie von Unglücken, die in den letzten Wochen die russische Armee heimsuchte. Ende Juli brach in der bei Moskau stationierten 4. Garde-Panzerdivision ein Feuer aus; in mehreren Tanks explodierte die Kampfmunition, ein Soldat starb. Bereits Mitte Juli hatte ein Feuer ein Arsenal der Pazifikflotte bei Wladiwostok heimgesucht. 70 Waggons mit Munition flogen in die Luft; Kostenpunkt: mehrere hundert Millionen Dollar. Schließlich berührten sich Ende August bei einem Manöver nahe der russisch-chinesischen Grenze zwei Kampfhubschrauber und stürzten ab - vor den Augen von Verteidigungsminister Sergej Iwanow. Sechs Flieger starben. »Leichtsinn, Prahlerei und Rowdytum« der Piloten, tadelte Iwanow am Unfallort, hätten zu der Katastrophe geführt. Der Flugleiter wurde sofort entlassen. Fachleute sehen auch hier die Ursache woanders. Wegen Treibstoffmangels hatten die Hubschrauberpiloten vier Jahre nicht trainiert, erst kurz vor Manöverbeginn starteten sie wieder zu Übungsflügen.