Traditionelles Hund-Katze-Verhältnis
Nr. 7/2000, Prisma: Teilchenphysik - Urknall im Labor verpufft
In Ihrer Glosse kommt das traditionelle Hund-und-Katze-Verhältnis der deutschen Kern- und Teilchenphysiker zum Ausdruck. Der »Das wussten wir ja alles schon«-Tonfall der Herrn Kollegen Teilchenphysiker beruht auf einem typischen Missverständnis zweier diametral entgegengesetzter Fragestellungen. Die Teilchenphysiker bemühen sich vor allem, eine enorme Beschleunigerenergie so vollständig wie möglich in ein einziges, im Stoß neu erzeugtes Elementarteilchen zu stecken - oder in ein Paar solcher Teilchen. Natürlich werden dabei stets Teilchen erzeugt, die es im Urknall gegeben hat. Wir als Kernphysiker hingegen unternehmen Experimente, in denen wir die Eigenschaften ausgedehnter Urknall-Materie untersuchen wollen. Das macht einen großen Unterschied: Wenn Sie ein einziges Wasser-Molekül entdeckt haben, werden Sie bestimmt nicht gleich den Siedepunkt und den Dampfdruck eines Topfes voll Wasser vorhersagen können - oder wann Wasserdampf kondensiert. Genau das war unsere Frage: Wann kondensiert das Quark-Gluon-Gas im frühen Urknall in Tröpfchen (wobei dann die uns schon bekannten Protonen und Neutronen entstehen)? Dazu schießen wir schwere, voluminöse Atomkerne aufeinander: Ein kleines, aber dennoch abertausende von Quarks enthaltendes Feuerkügelchen entsteht - Urknall-Materie. Dass da Quarks drin sind, war natürlich schon vorher bekannt. Mehr aber auch nicht.
Frankfurt am Main Prof. Dr. Reinhard Stock