Trägheit, Machtgier, Inkompetenz - DER SPIEGEL
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Briefe

Trägheit, Machtgier, Inkompetenz
• aus DER SPIEGEL 13/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Trägheit, Machtgier, Inkompetenz

Nr. 11/2002, Titel: Deutsche an allen Fronten - Die überforderte Armee

Was soll dieser weinerliche Pseudo-Pazifismus? Soldaten werden ausgebildet, um Menschen zu töten - im Zweifelsfall zur Verteidigung nationaler Interessen. Das gilt auch für die Bundeswehr. Und es liegt ganz sicher im nationalen Interesse Deutschlands, dass Terroristen dort bekämpft werden, wo sie ihr Hauptquartier haben. Was offensichtlich viele hier zu Lande nicht verstanden haben, ist, dass es Freiheit und Wohlstand nicht zum Nulltarif gibt und dass manchmal schmerzliche Opfer nötig sind. Mit Hurra-Patriotismus und fanatischem Führergehorsam hat dies nichts zu tun.

HALLE / SAALE CHARLES THIBO

Früher hieß es bei den Grünen und weiten Teilen der Roten: Nie wieder Krieg! Das wurde nun zeitgemäß erweitert. Jetzt lautet die Parole: Nie wieder Krieg ohne uns!

DRESDEN DR. DIETER NEES

Es ist eine unglaubliche Frechheit gegenüber jungen Menschen und Zeugnis seiner volkswirtschaftlichen Unkenntnis, wenn General Kujat behauptet, dass bei einer Abschaffung der Wehrpflicht dem Steuerzahler 300 000 jugendliche Arbeitslose zur Last fielen, und damit die Notwendigkeit der Wehrpflicht begründet. Dem liegt die unsinnige Annahme eines begrenzten Arbeitsangebotes in Deutschland zu Grunde. Die wahren Kosten der Wehrpflicht lassen sich erst ermessen, wenn man sich überlegt, was 300 000 Erwerbstätige zusammen in einem Jahr verdienen können. Finanziell kann sich eine Wehrpflicht nie lohnen.

KÖLN INGO REINHARDT

So schrecklich das tragische Unglück in Afghanistan auch gewesen ist, das hohe Risiko war und ist bekannt. Für mich ist es unverständlich, dass der Tod zweier Marinesoldaten am gleichen Tag auf der Ostsee nicht gleiche Aufmerksamkeit, Betroffenheit und Trauer bei der militärischen wie auch politischen Führung und bei den Medien verursacht hat. Die Trauer um unsere getöteten Soldaten, sei es im Manöver oder im Auslandseinsatz, ist unteilbar.

HAMBURG RALF LINDENBERG

Warum sind die Deutschen nicht pragmatisch und privatisieren die Armee? Mit einem Budget von jährlich rund 50 Milliarden Mark würde ein privater Konzern die legitimen Sicherheitsinteressen der Deutschen perfekt garantieren. Im Grunde haben das schon die alten Römer so gehalten und noch im Mittelalter haben die Hansestädte Kriegsschiffe gegen Piraten eingesetzt, um ihre Handelswege zu schützen - die Wirtschaft also, die Freiheit und Wohlstand finanziert. Dieses historische Konzept hat Zukunft: Russland in die Nato - die Bundeswehr an die Börse! Genau wie Volkswagen, Lufthansa, Telekom, Post und Bahn. Und danach die Rathäuser! Ich würde lieber diese Aktien kaufen, als sinnlos Steuern zahlen!

PALMA DE MALLORCA TIMM D. ESSER

Als Sohn eines Reichswehr-/Wehrmachtsoffiziers und Bruder eines Bundeswehroffiziers habe ich als »einfacher Zivilist« immer wieder ernsthafte Probleme, die Larmoyanz der Bundeswehrangehörigen einerseits und die überzogene Bemühtheit der politischen Klasse um die Bundeswehr andererseits nachvollziehen zu können. Wenn sich jemand bei seinem Arbeitgeber Bundeswehr nicht wohl fühlt, so soll er sich einen Arbeitsplatz seiner Wahl suchen. Und wenn die Politik meint, die Bundeswehr wie eine »heilige Kuh« behandeln und den Normalbürgern gegenüber besonders bevorzugen zu müssen, so ist dies angesichts dessen, dass die Bundesrepublik nur noch von Freunden umgeben ist, schwerlich zu begreifen.

KARLSRUHE ROLAND ZAHN

Das Grauen hat einen Namen: Scharping. Dieser Minister ist für die Armee das größte Handicap. Durch sein Verhalten hat er sich und damit das Ansehen der Bundeswehr besonders im Ausland in Misskredit gebracht. Wenn ihn seine eigenen Untergebenen als »Witzblattfigur« bezeichnen, so ist das noch ein wohlwollender Begriff. Er ist weiterhin mit allen Forderungen nach Erhöhung des Wehretats im Kabinett gescheitert, weil er auch dort als »Loser« dem Spott ausgesetzt ist und keine Lobby hat. Dass er letztlich ein akutes Sicherheitsrisiko darstellt, wann immer er öffentliche Dampfplauderei betreibt, sollte den Bundeskanzler endlich dazu bewegen, sich von diesem Mann zu trennen.

WIESBADEN FELIX FRITZE

Ihre Formulierung, ein Rekrut könne »nach der zweimonatigen Grundausbildung gerade mal ein Gewehr halten«, muss jedem ehemaligen und derzeitigen Wehrdienstleistenden wie eine Beleidigung vorkommen. »Langeweile, Fettleibigkeit und Alkohol« erkennen Sie als die »größten Risiken deutscher Soldaten«. Ich glaube nicht, dass Sie mit solchen Einschätzungen den Wehrpflichtigen gerecht werden. Die Wehrpflicht ist ein tiefer Eingriff in die individuelle Freiheit eines jeden jungen Mannes, doch habe ich diesen Dienst gern zum Wohl und zur Sicherheit unseres deutschen und europäischen Volkes getan - natürlich auch in der Hoffnung, dass mein Zutun entsprechend honoriert wird.

HEILIGENHAUS (NRDRH.-WESTF.)

FRANK OLIVER ALDENHOFF

Ich finde die Aussage »Ohne Hilfe der Amerikaner wären die deutschen Truppen aufgeschmissen« falsch. Die deutschen Soldaten sollen die amerikanischen Truppen beim Kampf gegen die afghanischen Soldaten doch unterstützen und nicht allein gegen die afghanischen Truppen kämpfen. Ich finde Krieg schrecklich, und ich möchte, dass es Krieg nie gibt. Mein Opa hat mir sehr viel darüber erzählt, deshalb weiß ich wirklich, dass es kein »Abenteuer« ist, in den Krieg gehen zu müssen. Allein die Frage, wie man am besten lebend den Krieg übersteht, ist dann wichtig.

HOISDORF (SCHLESW.-HOLST.) BIRGIT HOLLNAGEL (14 JAHRE)

Die Frage, ob unsere Armee überfordert, oder überhaupt gefordert wird, kann nur beantwortet werden, wenn ihre Aufgabe klar definiert ist. Ist sie das? Uns allen klingt noch Schröders »uneingeschränkte Solidarität« in den Ohren. Brauchen wir eine Armee, die angreifen kann? Was soll ihre Aufgabe sein? Soll sie erschießen, wen Washington als böse bezeichnet, soll sie dort aufräumen, wo Amerika mit dem Krieg fertig ist, oder soll sie ausputzen, was zwischen nationalen Interessen innerhalb der Uno zerrieben wurde? Ich bedaure all die Soldaten, die ihr Leben im Ausland für die Machtgier, die Trägheit und die Inkompetenz unserer Politik riskieren und lassen müssen!

AACHEN W. KRAUSHAAR

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