Trick mit Statistik
Die Kritik von Bundeswirtschaftsminister Lambsdorff an den Statistiken der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg (BA) zeigt Wirkung. Auf einer Referententagung machten die Nürnberger Statistiker ihre Kollegen in den Landesarbeitsämtern mit dem Gedanken vertraut, möglicherweise schon ab Juni eine neue Arbeitslosenquote berechnen zu müssen. Denn ein vom Vorstand der Bundesanstalt zur Entscheidung zugestelltes Papier sieht vor, künftig auch Selbständige und mithelfende Familienangehörige bei der Ermittlung der Prozentzahl zu berücksichtigen. Bisher wird die Zahl der Arbeitslosen lediglich ins Verhältnis gesetzt zu der Gesamtzahl der Arbeiter, Angestellten und Beamten. Zunächst »für einen ziemlich langen Zeitraum« (ein BA-Mitarbeiter) nebeneinander ausgewiesen, soll die neu berechnete Quote später dann die herkömmliche ersetzen.
Die Nürnberger begründen ihren Vorstoß mit dem Drängen einiger EG-Gremien nach einer besseren internationalen Vergleichbarkeit der Arbeitslosenquoten. Eine andere Erklärung scheint plausibler: Durch diesen statistischen Kunstgriff sollen die hohen Arbeitslosenzahlen optisch verringert werden. Neu berechnet, hätte die Arbeitslosenquote im Januar mit 4,9 Prozent immerhin deutlich unter der jetzt ermittelten von 5,6 Prozent gelegen.