NORDIRLAND Trickreicher Poker
Trotz der Suspendierung der Mehrparteienregierung in Belfast nach nur 72-tägiger Amtszeit durch den britischen Nordirland-Minister Peter Mandelson arbeiten alle Konfliktparteien intensiv an der Rettung des Friedensprozesses. Um die Irisch-Republikanische Armee (IRA), den bewaffneten Arm der katholischen Sinn Fein, endlich zur Ablieferung ihrer Waffen zu bewegen, könnte die britische Regierung einen weiteren Abzug ihrer Truppen in der Krisenprovinz anbieten und auch die Entwaffnung der protestantischen Milizen vorantreiben. Die protestantischen Unionisten unterstützen zwar die Aussetzung der Selbstverwaltung, aber auch sie wollen den mit dem Belfaster Abkommen vor knapp zwei Jahren forcierten Friedensprozess nicht abschreiben. Der Nordirland-Minister muss als Erstes einen neuen Vermittler suchen, der die Frage der Entwaffnung »ein für alle Mal« (Mandelson) klärt. Der ehemalige US-Senator George Mitchell, der sich fünf Jahre abgemüht hatte, unter den verfeindeten Parteien Vertrauen zu schaffen, hat einen erneuten Einsatz abgelehnt. Die entscheidende Frage in dem trickreichen Poker ist, ob es Gerry Adams und der Sinn-Fein-Führung gelingt, die Hardliner in den eigenen Reihen zur Ablieferung ihrer großenteils von Muammar al-Gaddafi gelieferten Waffen zu bewegen. Dabei stehen sie unter immer größerem Druck der irischen Regierung in Dublin, der Öffentlichkeit und vor allem der nordirischen Bevölkerung, die den wirtschaftlichen Aufschwung in der armen Provinz nicht gefährdet sehen will. Hoffnung gibt der nur wenige Stunden nach der Suspendierung der Regierung am vergangenen Freitag bekannt gewordene Bericht des Entwaffnungsbeauftragten John de Chastelain, nach dem die IRA endlich mit ihm kooperiere.