TV-Pensionierung - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 49 / 109

TV-Pensionierung

• aus DER SPIEGEL 1/2001
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wie Trimmel, der »Tatort«-Urkommissar, seinen TV-Dienst beendete, hat der Zuschauer nie erfahren. Eines Tages war der brummelnde Griesgram verschwunden. Auch Zollfahnder Kressin, seinen Frauenherzen brechenden Nachfolger, ließen die Verantwortlichen abschiedslos auf dem Liebeslager liegen. Nicht einmal mit dem Ruhr-Melancholiker Kommissar Haferkamp (Hansjörg Felmy) durfte der Zuschauer ein Abschiedspilsken trinken. Schimanski allerdings flog mit dem Drachen und seinem Lieblingswort »Scheiße« davon, doch das war kein Abschied, pensioniert kam Schimi zurück und muss heute in Filmen mitspielen, die er offenbar selbst nicht mehr versteht.

Am Sonntag dieser Woche nun gibt's die erste echte TV-Pensionierung: Die Oberkommissare Stoever und Brockmöller (Manfred Krug und Charles Brauer) geben die Dienstwaffe ab, und alle dürfen zusehen. Die beiden haben das Lebensgefühl öffentlich-rechtlicher Beamtenschaft aufs Wunderbarste vorgeführt: Ihre letzten »Tatorte« zeigten die TV-Ermittler voller Vorfreude auf die Pensionierung, getragen vom Beamten-Hormon a.D.nalin. Und konsequent: Vom Polizeirevier weg werden Stoever und Brocki als Sänger auf einem Luxusliner engagiert. Wie verjüngt, mit Haaren auf dem Kopf, sieht man die zwei musizieren. Das Traumschiff könnte sich zum mobilen Walhall der betagten Fernsehwerker entwickeln: Vielleicht hat schon Derrick als Geistlicher dort angeheuert, und Harry fährt schon mal die Gehhilfen vor.

Zur Ausgabe
Artikel 49 / 109