TV-Rückblick
Berlin Mitte
20. Juni, ZDF
Maybrit Illner ist die informierte und schlagfertige Nachfragerin unter den prominenten TV-Polit-Talkern - doch im fast einstündigen Gespräch mit Joschka Fischer übertrieb sie es ein wenig mit den Haken und Ösen, wirkte merkwürdig angespannt, nervös und unruhig. Allzu viele vertrackte Themen - von der Ökosteuer bis zur Scharia in Afghanistan, von der Riester-Rente bis zum Nahostkonflikt - wollte sie abhaken und verwurschtelte sich dabei zuweilen im eigenen, unübersichtlich gewordenen Satzbau. Der Außenminister gab Kostproben seiner ungebrochenen Begabung zur Sottise ("Es würde mich in eine persönliche Krise stürzen, wenn ich das Vorbild für Guido Westerwelle sein sollte"), doch auch er war nicht in Topform. Über weite Strecken lieferte er das solide Graubrot des Wahlkampfs, und selbst der interessierte Zuschauer hofft jetzt schon inständig, dass schönes Sommerwetter der abendlichen Flucht in den Biergarten förderlich sein möge. Bleibt die professionelle Herausforderung: für den Spitzenkandidaten der Grünen, dessen pflichtgemäßer Optimismus erst noch durch die Aura des angriffslustigen Kämpfers beglaubigt werden muss - und für die Spitzenmoderatorin des ZDF, die fürs Kanzlerkandidaten-Duell im Spätsommer vielleicht ein bisschen Lockerheit trainieren sollte. Dann sitzen ihre Fragen vielleicht auch wieder wie fluoreszierende Giftpfeile.