TV-Rückblick - DER SPIEGEL
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TV-Rückblick

• aus DER SPIEGEL 10/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Friedman

27. Februar, ARD

Das Sympathische an Michel Friedman ist, dass er gar nicht erst versucht, sympathisch zu wirken. Friedman, 46, schenkt seinen Gästen nichts außer einem überlegenen Lächeln. Das macht ihn einzigartig im deutschen Fernsehen, wo sonst Moderatoren den Ton angeben, die sich Politikern mitunter rektal oder auf Knien nähern. Friedman hat das nicht nötig: Er ist im Hauptberuf selbst Politiker (und Anwalt). In seine Sendung wagt sich daher nur, wer nichts mehr zu verlieren hat: Ex-Arbeitsminister Norbert Blüm etwa, dessen Demontage vor laufender Kamera Friedman jetzt eine Grimme-Preis-Nominierung einbrachte. Oder der Berliner CDU-Spitzenmann Frank Steffel, der sich auf Friedmans rotem Sessel endgültig um Kopf und Kragen redete.

Minister dagegen meiden Friedmans Talkshow; auch solche, die es an Selbstgefälligkeit locker mit ihm aufnehmen können, wie Otto Schily oder Joschka Fischer. Insofern war es eine kleine Sensation, als sich vergangene Woche ein Kabinettsmitglied zu Friedman traute: Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, 59, redete über das Einwanderungsgesetz und ihr Selbstverständnis als »rote Heidi«. Und Friedman? Der fragte, unterbrach ("Doch, meine Liebe"), provozierte ("Schily ist der V-Mann von Stoiber"), kokettierte ("Ich bin doch nur ein friedlicher Moderator"). Alles wie immer also, nur dass diesmal sein Gegenüber nicht unterging - und dass es trotzdem eine gute Sendung war.

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