TV-Rückblick
Tatort: 1000 Tode
3. November, ARD
Suizidforen im Internet (SPIEGEL 9/2001) sind eine gefährliche Angelegenheit für alle, die sich mit Selbstmordgedanken tragen. Dass ein Krimi wie der vom vergangenen Sonntag (Buch: Dorothee Schön, Regie: Jobst Oetzmann) ein solch heikles Thema aufgriff, erscheint auf den ersten Blick verdienstvoll, zumal mit Eva Mattes als Kommissarin eine äußerst sensible Darstellerin die Fäden zog. Umso erstaunlicher fiel dann aus, was über den Schirm kam: ein äußerst brutaler Krimi (wenn auch ohne Leiche), der mit seiner Darstellung eines gefesselten Mädchens, die Henkerschlinge um den Hals und von einem Sadisten (Edward Piccin) verbal gequält, an die Grenze des öffentlich-rechtlich Darstellbaren zur Hauptsendezeit ging. Da konnten literarische Inspirationen wie das Lied von den Königskindern, die zueinander nicht kommen, weil das Wasser viel zu tief ist, nichts ändern. Im Bodensee, den die Kamera lustvoll als schauriges Gewässer beschwor, versank ein Stück aufklärerischer Vernunft. Warum gefährdete junge Todessucher im Internet jeden Kontakt zur Wirklichkeit verloren haben, darüber schwieg sich der Film so gut wie aus. Fackelschein, Schreie, Fesseln waren den Machern offenbar wichtiger.