TV-Rückblick - DER SPIEGEL
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TV-Rückblick

• aus DER SPIEGEL 51/2002
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Julia - eine ungewöhnliche Frau

10. Dezember, ARD

Als die Serie anhob, durchwehte sie ein für deutsche Sehgewohnheiten besonderer Hauch von Sanftheit, Strenge und kakanischer Formvollendetheit. Wenn von Richterin Laubach (Christiane Hörbiger) die Rede war, schalmeiten die Mitspieler den Titel der Dame: »Frau Rrraaat« - was so klang, als gehe die Sonne der Obrigkeit auf. Umgekehrt vermochte Hörbigers Laubacherin den Vornamen ihres Mannes (Peter Bongartz) mit einer unglaublichen Mischung aus Freundlichkeit und Zurechtweisung auszusprechen. »Arthur« - das klang, als spräche jemand mit Herr und Hund zugleich. Der Untertitel der Serie »Eine ungewöhnliche Frau« verleitete einst den ARD-Programmchef Günter Struve bei der Pressepräsentation von »Julia« zu Ausbrüchen von Galanterie: »Welche Frau ist nicht ungewöhnlich?«, fragte Struve - die feine österreichische Art hatte ansteckend gewirkt. Doch zuletzt, besonders vergangenen Dienstag, wurde unübersehbar, wie serienübliches Schicksalsmalmen alles Feine und Vornehme zudeckt. Falsche Krebsdiagnose, Querschnittslähmung, Genmanipulation - gegen diese Übermacht der Katastrophen kamen die wunderbaren Darsteller, die Hörbiger allen voran, nicht mehr an. So wird noch die ungewöhnlichste Frau dann doch aufs gewöhnliche Serienmaß gestutzt.

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