TV-Rückblick
Boulevard Bio
9. April, ARD
Die Räusperer kamen wie immer punktgenau - doch sonst war vieles anders bei »Boulevard Bio«. Die größte Neuerung: Der Begriff der »Staatsaffäre« wurde auf das Anschaulichste und Liebreizendste umdefiniert. Wladimir Putin und Gerhard Schröder, die hochrangigen Staatsgäste in Alfred Bioleks wöchentlicher Kuschel-Talkrunde, die diesmal als schräge Mixtur aus Kaffeeklatsch und Pressekonferenz im Weimarer Nationaltheater stattfand, präsentierten sich wie ein deutsch-russisches Liebespaar. Was hätte François Mitterrand dazu gesagt, der einst Hand in Hand mit Helmut Kohl auf Verduns blutgetränkter Erde stand: »Vraiment, une affaire d'état«? In der pseudoprivaten Talk-Gesellschaft jedenfalls duzt und lobt man sich nach Kräften, hat Verständnis für die Größe Russlands, in der die Menschenrechte sich schon mal verlaufen können, und achtet die Alltagsnöte geplagter Ex-KGB-Agenten. Vor allem Kanzler Schröder strahlte wie ein frisch verliebtes Honigkuchenpferd, während der russische Präsident seine tiefe Zuneigung eher durch die Lobpreisung des Radeberger Pilseners offenbarte: Die zärtliche Anspielung auf Schröders historischen Ausruf »Hol mir mal 'ne Flasche Bier!« war unverkennbar. Doch leider hat Hofmoderator Biolek eine alte Lebensweisheit missachtet: Frisch Verliebte lässt man besser allein.